Die Tierfreigehege im Nationalpark Bayrischer Wald

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Natur

In meinem letzten Blogbeitrag hatte ich euch von meinen Fotowanderungen durch den Nationalpark Bayrischer Wald berichtet. Falls ihr schon dazu gekommen seid, den anzuschauen, dann wisst ihr, wie sehr mich dieses herrliche Fleckchen Natur begeistert hat. Ansonsten könnt ihr das, wenn ihr wollt, jetzt gerne mit einem Klick auf den Button unten nachholen:

Jeder Nationalpark steht vor einem Dilemma: Einerseits ist es sein eigentlicher Zweck, die Natur so gut wie nur irgend möglich vor jedem menschlichen Einfluss zu schützen, andererseits würde man durch eine komplette Abschottung jeglichen Rückhalt in der Bevölkerung verlieren. Ein vernünftiger Kompromiss beruht vor allem auf zwei Säulen: Die land- und forstwirtschaftlich Nutzung sollte von außen nach innen abnehmen mit einer möglichst großen, komplett nutzungsfreien Kernzone im Innern. Darüber hinaus unabdingbar ist ein möglichst effektives Besuchermanagement. Zu letzterem gehören gut beschilderte, naturverträgliche, aber dennoch erlebnisreiche Wanderwege sowie im Idealfall ergänzende Attraktionen, die möglichst viele Besucher anziehen und ihnen das Gefühl eines echten Nationalpark-Erlebnisses vermitteln, ohne dass sie der Natur dafür allzu sehr auf die Pelle rücken müssen.

Der Auerhahn hat sich am frühen Morgen gut versteckt.
Auch das Rebhuhn lässt sich nur ganz kurz einmal blicken.

Im Nationalpark Bayrischer Wald hat man das ziemlich geschickt gelöst. Die Besucher haben an den Tierfreigehegen die Gelegenheit, recht viele Tierarten zu erleben, die hier ursprünglich, immer noch oder zum Glück wieder heimisch waren oder sind. Auch der ziemlich spektakuläre Baumwipfelpfad sowie allerlei gastronomische Angebote und manches mehr sorgen dafür, dass viele Besucher am Ende höchst zufrieden abreisen, ohne den eigentlichen Nationalpark auch nur betreten zu haben.

Kurz gesagt: Man wird durch geschickt platzierte Verlockungen dazu verleitet, sich vor allem dort aufzuhalten, wo man keinen großen Schaden anrichten kann. Im Grunde das gleiche Prinzip also, nach dem auch eine Ablenkungsfütterung für Wildschweine funktioniert – was immer das über unsereins aussagen mag.

Löffelenten auf dem Weg ins Wasser

Natürlich wollte auch ich mir diese Attraktionen, vor allem die herrlichenTierfreigehege, keinesfalls entgehen lassen. Im Gegenteil, ich hatte sogar eine ganze Menge Zeit dafür eingeplant. Mal so eben im Vorbeigehen, das wusste ich, würde ich dort wohl kaum zu brauchbaren Fotos kommen. Außerdem war mir klar, dass meine Chancen am frühen Morgen wahrscheinlich besser stünden als mitten am Tag. Es half nichts: Zu meinem Leidwesen musste ich viel früher aufstehen als mir lieb war und mich dann zügig auf den Weg machen. Das Leben eines Tierfotografen ist hart. Ich bitte um ein gehöriges Maß an ehrlich empfundenem Mitleid.

Der Uhu schaut ein wenig skeptisch, bleibt aber gelassen.

Die Tierfreigehege bei Neuschönau

Im Gebiet des Nationalparks gibt es an mehreren Orten Tierfreigehege, die meisten bei Neuschönau. Wer jetzt an einen Zoo denkt, der liegt eindeutig falsch. Viele Gehege hier sind nichts anderes als ein zwar eingezäuntes, aber sehr großzügig bemessenes Stück Natur, in dem die Tiere beinahe so wie in Freiheit leben können. Dazu gehört natürlich auch, dass sie alle Möglichkeiten haben, sich einen großen Teil des Tages irgendwo im Unterholz, im Laub oder wo auch immer zu verstecken. Man sollte als Besucher besser nicht davon ausgehen, alle Tiere zu Gesicht zu bekommen. Diese weitläufigen Gehege sind zwar rund um die Uhr zugänglich und kosten nicht einmal Eintritt; sie bieten aber auch keinerlei Garantie für Tiersichtungen. Ohne sehr viel Geduld, sture Beharrlichkeit und eine ordentliche Portion Glück geht da gar nichts.

allererste Aufnahme einer bis dahin unbekannten Tierart

Na ja, und mit dem Glück ist es eben so eine Sache. Mir war es mal mehr, mal weniger zugeneigt – wie eigentlich immer in der launischen Tierfotografie. Und hier erinnern die Gehege einfach sehr viel mehr an echte Natur als an einen zoologischen Garten. Dafür wirken, ach was, dafür sind die Aufnahmen, so denn welche gelingen, dann aber auch um Längen authentischer.

Während die Waldeidechse sich noch in der Morgensonne erwärmt…
…ist die Ringelnatter schon aktiv.

Einige Bilder habt ihr oben ja bereits sehen können. Gehege hin oder her, keines davon war mal eben so auf die Schnelle zu machen. Lediglich der Uhu drückte ein Auge zu und saß mir bereitwillig Modell. Alle anderen Aufnahmen erforderten vor allem dreierlei: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Das war auch im weiteren Verlauf nicht anders.

Dringende Geschäfte im Bärengehege

Um diese Zeit am frühen Morgen sind noch keine anderen Besucher hier. Aber leider lässt sich auch weit und breit kein Bär entdecken. Nichts als gähnende Leere. Doch halt! Was da gähnt, ist vielleicht gar nicht die reine Leere (verzeiht bitte das Wortspiel). War das dort hinten im hohen Gras nicht eine Bewegung? Sollte das vielleicht … das wird doch nicht … also irgendein Tier ist da auf jeden Fall. Ich halte den Atem an. Und tatsächlich, was sich dann ganz langsam erhebt, es ist wahrhaftig ein Braunbär. Eher schlaftrunken als zielstrebig kommt er auf die Tatzen. Glück muss man haben.

Der Bär erhebt sich, schnüffelt einmal und…
…begibt sich für wichtige Geschäfte hinter ein Gebüsch.

Meine Kamera im Anschlag beobachte ich ihn genau. Was er jetzt wohl tun wird? Ob er sich gleich etwas zu fressen sucht oder erst einmal gemütlich an einem Baum reibt? Nein, ganz gemächlich tappst er ein paar Schritte zur Seite, hockt sich umständlich hinter ein Gebüsch … und macht dort genau das, wofür auch unsereiner sich im Notfall hinter einen Busch zurückziehen würde. Anschließend stapft er ebenso gemächlich wie auf dem Hinweg wieder zurück zu seiner Schlafkuhle, gähnt einmal recht herzhaft und haut sich wieder aufs Ohr. Damit ist die Show dann auch vorbei. Habe ich da soeben tatsächlich voller Begeisterung einen Braunbären fotografiert, der einfach nur kurz mal aufs Klo musste? Na, das fängt ja gut an!

Kurz darauf kommt er zurück…
…gähnt zufrieden und legt sich wieder schlafen.

Zum Glück sind Elche neugierig

Aus unserem Urlaub in Schweden weiß ich, dass sich Elche, immerhin die größten aller Hirsche, erstaunlich gut verstecken, ach was, nahezu unsichtbar machen können. Und auch hier am Elchgehege sieht es wieder ganz so aus, als wollten sie diesem Ruf mehr als gerecht werden. Erst nach langer Suche mit dem Fernglas entdecke ich zwei von ihnen, ein männliches und ein weibliches Tier, wie sie ihre beeindruckenden Nasen ein klein wenig aus dem Wald strecken.

Vorsichtig tritt das Elchpaar aus seinem Versteck.

Dann aber habe ich Glück. Ein Fahrzeug der Nationalpark-Verwaltung rumpelt in der Nähe vorbei, was zumindest die Elchkuh neugierig werden lässt. In recht flottem Trab kommt sie aus dem Wald heraus, um sich diese Störenfriede genauer anzuschauen. Hocherfreut drücke ich ein ums andere Mal auf den Auslöser.

Neugierig geworden stapft die Elchkuh los.

Meine Hektik wäre gar nicht nötig gewesen. Jetzt, da Frau Elch ihr Versteck erst einmal verlassen hat, scheint sie sämtliche Scheu verloren zu haben. Sie kommt nun direkt auf mich zu und erlaubt mir noch jede Menge Fotos. Ganz wie ein erfahrenes Model bietet sie mir sogar nach und nach einige ihrer fotogensten Posen an.

Erst noch etwas schüchtern…
…dann aber sehr selbstbewusst posierend…
…präsentiert sie sich dem Fotografen.

Der rasende Marder

Meinen nächsten Fotostopp lege ich bei den bekanntermaßen überaus agilen Mardern ein. Hier gibt es gleich zwei Gehege, aber von geschäftigem Herumwuseln keine Spur. Mit einiger Mühe entdecke ich in jedem einen schlafenden Marder. Offenbar gehören sie nicht zu den Frühaufstehern. Als ich mich gerade entschlossen habe, später noch einmal herzukommen, wird eine der beiden Schlafmützen doch tatsächlich wach. Der kleine Kerl, ein sehr hübscher Baummarder, ist schlagartig munter. Putzmunter sogar. Eben noch gemütlich träumend, flitzt er jetzt wie von der Tarantel gestochen durch sein Gehege.

Der Baummarder hält höchstens für Sekundenbruchteile einmal still.

Bei dem Tempo, das er nun an den Tag legt, schaffe ich es zuerst nicht, auch nur eine vernünftige Aufnahme zu machen. Er ist einfach zu schnell, saust wie der geölte Blitz über Stock und Stein, hält nirgendwo inne. Aber ich gebe nicht auf. Irgendwann muss sich doch vermutlich auch der ausgeschlafenste Baummarder einmal kurz ausruhen. Genau darauf warte ich geduldig. Und in der Tat, mein Moment kommt. Ich mache mit der Serienbildfunktion in schneller Folge wohl ein Dutzend Aufnahmen, dann flitzt mein kleiner Freund auch schon wieder los. Hinterher stelle ich fest, dass nur gerade mal ein einziges Bild dabei ist, auf dem er tatsächlich für ein Millisekündchen so einigermaßen stillgehalten hat.

Kleiner Snack für den Wisent

Die Wisente bewohnen ein riesiges Gehege, von dem weite Teile gut einsehbar sind. Ideale Voraussetzungen also für richtig tolle Fotos – eigentlich. Doch was machen die zotteligen Bewohner? Sie ziehen sich in den hintersten Winkel zurück, dorthin, wo ich selbst mit meiner längsten Brennweite an Grenzen stoße. Dabei würde ich sehr gerne Fotos von diesen beeindruckenden Tieren machen, zumal sich auch einige Kälbchen darunter befinden. Leider bringt mich hier auch all meine Geduld nicht weiter. Familie Wisent denkt offenbar gar nicht daran, ihr lauschiges Plätzchen zu verlassen.

Wisent mit Kälbchen

Immerhin gibt mir eines der Tiere dann noch ein Vorstellung davon, was so ein Wisent unter einem kleinen Snack versteht. Er erhebt sich und stapft gemächlich los. Trotz der saftigen grünen Wiesen ringsherum scheint es ihn nach etwas Härterem zu gelüsten. Nein, nein, wo denkt ihr hin? Ich spreche hier selbstverständlich nicht von Alkohol. Das mit der Lust auf etwas Härteres ist ganz wörtlich gemeint. Schnurstracks strebt unser Wisent auf einen Stapel mit allerlei Ästen und Zweigen zu. Endlich dort angekommen, knabbert er genüsslich einen Ast nach dem anderen weg.

Entschlossen stapft man los…
…um sich an Ästen und Zweigen gütlich zu tun.

Unverhofftes Glück beim Luchs

Natürlich weiß ich, dass Luchse in der freien Natur sehr heimlich leben. Deshalb habe ich mir auch keine allzu großen Chancen ausgerechnet, sie in ihrem großen Freigehege zu Gesicht zu bekommen. Und tatsächlich: So sehr ich auch suche und meine Blicke schweifen lasse, ich kann keinen Luchs, nicht einmal das kleinste Eckchen Pinselohr entdecken. Nun, das hatte ich erwartet. Trotzdem überwiegt die Enttäuschung.

Aber was ist das? Aus den Augenwinkeln habe ich eine Bewegung wahrgenommen. Und dann sehe ich ihn: Auf leisen Pfoten schleicht ein Luchs beinahe direkt in meine Richtung. Ich verharre mucksmäuschenstill, meine Kamera im Anschlag. Zum Glück habe ich sie auf lautloses Auslösen gestellt, so dass ich Fotos machen kann, ohne von den exzellenten Ohren des Luchses wahrgenommen zu werden.

Auf leisen Sohlen durchstreift der Luchs sein Revier.

Ich kann mein Glück kaum fassen und mache in schneller Folge einige Aufnahmen. Aber dann passiert es doch: Die Katze entdeckt mich trotz all meiner Vorsicht. Nun, immerhin sind mir einige Fotos gelungen. Das ist schon mehr als erhofft. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn ich noch etwas länger unbemerkt geblieben wäre.

In diesem Moment hat er den Fotografen entdeckt.

Zu meiner großen Überraschung verschwindet der Luchs aber gar nicht auf der Stelle im Unterholz. Ein anderes Geräusch scheint seine Aufmerksamkeit von mir abgelenkt zu haben. Lautlos verharrend steht die Katze da wie eine Statue. Welch eine großartige Gelegenheit, einige weitere Aufnahmen von diesem ebenso hübschen wie eleganten Lauerjäger zu machen!

Was hat da geraschelt?
Plätzchen mit Aussicht

Der scheue Wolf

Von meinen Namensvettern – immerhin lautet mein Nachname „Wolff“ – hatte ich mir doch ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft erhofft. Leider vergeblich. Ewig lang ist überhaupt kein Tier zu sehen. Dann auf einmal trabt, noch recht weit entfernt, zu weit für ein brauchbares Foto, ein einsamer Wolf in meine Richtung, verschwindet aber sofort darauf wieder im Gebüsch. Hin und wieder höre ich das Knacken von Zweigen. War’s das jetzt? Ich will es nicht glauben und entschließe mich, weiter geduldig zu warten. Vielleicht habe ich ja Glück und der Wolf lässt sich doch noch einmal blicken. Und tatsächlich: Das Glück ist mir hold, wenn auch nur für einen flüchtigen Moment. Der genügt mir jedoch, um wenigstens dieses eine heiß ersehnte Foto auf den Sensor zu bannen. Das Leben ist schön!

Mehr als dieses eine Foto gewährte mir der Wolf leider nicht.

Soweit zu meinen Bildern aus den Tierfreigehegen bei Neuschönau. Sie sind übrigens nicht alle an einem Tag entstanden. Was ich euch hier gezeigt habe, das ist tatsächlich die Ausbeute von zwei Besuchen. Wie gesagt: Die Tiere haben dort alle Möglichkeiten, uns Menschen aus dem Weg zu gehen – und machen fleißig Gebrauch davon.

Später nehme ich euch noch mit ins Gehege der Rothirsche, aber das liegt am anderen Ende des Nationalparks bei Lindberg. Bevor wir dorthin weiterreisen, besuchen wir erst noch den beliebten Baumwipfelpfad, der im Sinne einer erfolgreichen Besucherlenkung strategisch sehr geschickt gleich beim größten Parkplatz auf die Besucher wartet.

Der Baumwipfelpfad

Schon der Zugang zum Baumwipfelpfad bietet mit seinem hölzernen Tunnel und den bunten Scheiben ein kleines Spektakel, das vor allem den Kindern Freude zu machen scheint. Ich konnte jedenfalls mehrmals beobachten, wie einige von ihnen mit großen Augen immer wieder hin und zurück flitzten, bis ihre Eltern sie mit einiger Mühe zum Weitergehen bewegen konnten.

Lichtspiele

Wer sich noch nie auf dem Holzweg befand, dem bietet sich hier die Gelegenheit, es nachzuholen. In luftiger Höhe spaziert man bequem dahin und genießt – welch eine Überraschung – einen ausgezeichneten Blick auf die umliegenden Baumwipfel. Nun, die Perspektive ist ungewöhnlich, aber im Grunde weit weniger spektakulär, als man vielleicht annehmen möchte. Weil sich die Erbauer dessen wohl auch bewusst waren, haben sie für die kleinen Besucher noch ein paar Extra-Spielereien eingebaut.

Spaziergang zwischen Baumwipfeln

Aber dann erhebt es sich plötzlich mitten aus dem Wald: ein riesiges Ei! Ohne Frage ist es nicht nur im buchstäblichen Sinn der absolute Höhepunkt dieses Baumwipfelpfads. Immer im Kreis, ohne eine einzige Stufe, dafür stetig mit einer leichten Steigung, führt der Weg bis ganz nach oben. Ein echtes architektonisches Kabinettstückchen, ebenso schlicht wie wirkungsvoll. Einfach schön.

Ei mit Aussicht…
…und beeindruckender Architektur
Es geht immer im Kreis herum…

Oben angekommen bietet sich dann ein weiter Rundblick über den Bayrischen Wald mit seinen vielen Hügeln, Bergen und Gipfeln. Die Farbe Grün dominiert, wohin man auch schaut. Hier erst wird mir so richtig bewusst, welch enorme Ausdehnung dieser Wald tatsächlich hat – und dabei geht er jenseits der tschechischen Grenze, dann als Böhmerwald (tschechisch: Šumava), nahtlos weiter. Zusammen bilden sie das größte zusammenhängende Waldgebiet in Mitteleuropa. Hüben wie drüben sind beträchtliche Teile davon als ineinander übergehender Nationalpark ausgewiesen.

…bis man endlich von oben die Aussicht genießen kann.

springlebendiger Nachwuchs bei den Rothirschen

Ein allerletztes Tierfreigehege, bei dem mir das Fotoglück hold war, bin ich euch noch schuldig, nämlich jenes für die Rothirsche in Lindberg. Ähnlich wie schon bei seinen Geschwistern in Neuschönau hat man auch hier im Grunde nichts weiter getan, als um ein wunderschönes Fleckchen Natur einen Zaun zu ziehen. Und auch hier haben die Tiere mehr als ausreichend Platz, um selbst entscheiden zu können, ob sie sich ihren Besuchern zeigen wollen. Wieder sind Beobachtungen oder gar Fotos also auf keinen Fall garantiert.

ebenso skeptischer wie neugieriger Blick

Einen ziemlich beachtlichen Unterschied gibt es aber doch: Das Rothirschgehege darf, wenn auch selbstverständlich nur auf einem fest vorgegebenen Weg, betreten werden. Falls die Hirsche es akzeptieren, hat man hier die Chance, inmitten des Geschehens zu sein. Mir hat das gut gefallen und ich verstehe gar nicht, warum Besucher nicht auch zu den Braunbären und Wölfen ins Gehege dürfen, zumal man sich dann ja vermutlich sogar die teuren Fütterungen sparen könnte.

Spaß beiseite. Ich konnte die Hirsche erst nur aus weiter Ferne sehen, bemerkte aber, dass sie begonnen hatten, sich ganz gemächlich grasend langsam in meine Richtung zu bewegen. Also blieb ich lange und möglichst bewegungslos an meinem ein wenig erhöhten Beobachtungsplatz stehen. Es dauerte zwar eine gefühlte Ewigkeit, aber so ganz allmählich näherte sich eine Hirschkuh mit ihrem Nachwuchs einer Lichtung, die ich recht gut einsehen konnte. Zuerst waren beide noch sehr vorsichtig und blieben dicht beieinander. Irgendwann aber fasste sich das Kleine dann ein Herz und begann, nach Herzenslust herumzutollen. Seine Mama ließ es gewähren, behielt ihr vergnügt über Stock und Stein springendes Junges aber stets aufmerksam im Blick. Welch ein herzerfrischender Anblick!

Der kleine Rothirsch und seine Mama…
…sind unzertrennlich, auch wenn man das…
…auf diesem Foto erst auf den zweiten Blick erkennt.

Die männlichen Tiere schienen zwar kein besonderes Interesse an den Aktivitäten ihrer Sprösslinge zu haben, tolerierten ihr Herumtollen aber ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ihre stoische Ruhe hatte durchaus etwas Majestätisches und erinnerte ans englische Königshaus: „Never complain“.

Während man hier schon mit einem recht ordentlichen Geweih beeindruckt…
…wirkt dieser junge Hirsch noch nicht ganz so majestätisch.

Allerdings kehrte auch bald schon wieder Ruhe ein. Die Kleinen suchten die Nähe ihrer Mamas und eines nach dem anderen kuschelte sich gemütlich ins Gras, um sich von den Strapazen des Herumtollens zu erholen.

Idyllischer könnte es im Wald und auf den…
…angrenzenden Wiesen kaum zugehen.

Anmerkung zur Gehegefotografie

So mancher Naturfotograf neigt dazu, Gehege-Aufnahmen nicht als „echte“ Tierbilder gelten zu lassen. Ich kann diese Ansicht zwar verstehen, teile sie aber nicht. Für mich kommt es in erster Linie darauf an, ob die Tiere sich wohlfühlen und als erkennbares Zeichen, dass dem so ist, ein natürliches Verhalten an den Tag legen. Ebenso wichtig ist es mir, die Tiere durch mein Bemühen um ein gutes Foto in keiner Weise zu stören. Beide Voraussetzungen sind hier in den Tierfreigehegen im Nationalpark Bayrischer Wald voll und ganz gegeben.

Dieses Foto eines Taubenschwärmers ist zwar im Nationalpark, aber ausnahmsweise…
…nicht in den Gehegen, sondern in der freien Natur entstanden.

Zum Schluss geht’s hoch hinauf

Wir sind damit nun schon fast am Ende angekommen. Auch wenn der Bayrische Wald zweifellos noch sehr viel mehr zu bieten hat, habe ich mich in diesem wie auch dem vorherigen Blogbeitrag ganz auf den Nationalpark beschränkt. Eine einzige Ausnahme möchte ich aber doch machen: Wenn man schon einmal in der Gegend ist, lohnt es sich auf jeden Fall, mit der Seilbahn hinauf auf den Arber zu fahren; und das nicht nur, weil er der höchste Berg dieses Mittelgebirges ist, sondern auch, weil um seinen Gipfel ein herrlicher Rundweg führt, der immer wieder fantastische Aussichten bietet.

Genau von dort oben möchte ich mich nun für heute mit einem herzlichen „Pfiat eich“ verabschieden – ganz so, wie es im wunderschönen Bayrischen Wald von jeher guter Brauch ist.

Die kurze Wanderung rund um den Gipfel des Arber…
…sollte man sich nicht entgehen lassen.

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