Fotowanderungen im Nationalpark Bayrischer Wald

Kommentare 0
Natur

Wenn es zwei Hobbys gibt, die geradezu ideal Hand in Hand gehen, dann doch wohl das Wandern und die Naturfotografie – könnte man meinen. Ganz so empfinde ich es aber durchaus nicht immer. Wieso? Nun, ich bin nicht der allergrößte Fan davon, schwere Rucksäcke durch die Gegend zu schleppen. Auf längeren Wanderungen braucht man aber nun einmal einen gewissen Vorrat an Wasser, etwas zum Essen und Kleidung für alle Eventualitäten. Wenn dazu noch eine Kamera und zwei oder drei Objektive kommen, dann beginnt mein Rücken sich sehr energisch zu beschweren.

Der Nationalpark fasziniert, ob in der Totale…
…beim genaueren Hinschauen…
…oder auch in seinen Details.

Aber wie auch immer man die Sache dreht und wendet, es bleibt nun einmal dabei: Wer die Natur in all ihren Facetten ablichten will, der wird viele lohnende Motive nur wandernd erreichen können. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Früher war das kein Problem, aber inzwischen kann ich es mir nicht mehr leisten, die Warnsignale meines Körpers komplett zu ignorieren. Schließlich möchte ich mein Hobby ja noch möglichst lange und mit Freude ausüben können.

Am natürlichen Ende seines Lebens darf hier jeder Baum in Würde sterben…
…und über viele Jahre Nahrung und Lebensraum bieten…
…bis er irgendwann zu neuer fruchtbarer Erde zerfällt.

Anmerkung zur Bildqualität:
In einem Fotoblog wie dem Glaslinsenspiel gilt es, die bestmögliche Balance zu finden zwischen einer ordentlichen Bildqualität und kurzen Ladezeiten. Für erstere können die Bilddateien gar nicht groß genug sein, auf letztere trifft das Gegenteil zu. In aller Regel ist das kein Problem. Heute aber sieht die Sache ein klein wenig anders aus. Im Wald aufgenommene Bilder sind an sich schon sehr detailreich. In einem „unaufgeräumten“ Wald wie hier im Nationalpark gilt das erst recht. Stark komprimierte Bilddateien können da schon einmal ein wenig unscharf wirken. Weil aber niemand, wirklich niemand lange Ladezeiten mag, habe ich das zähneknirschend in Kauf genommen.

Balance zwischen Wandern und Fotografieren

Um meinen Rücken nicht allzu heftig zu verärgern, ziehe ich heute wo immer möglich die kürzeren Wanderungen vor. In dem Fall komme ich mit einem kleinen Fotorucksack aus, weil ich neben der Fotoausrüstung nicht auch noch größere Mengen an Kleidung und Lebensmittelvorräten einpacken muss. Mein Rücken dankt mir das in aller Regel mit einem schmerzfreien Tag – was wiederum der Freude am Wandern, vor allem aber meiner Fotografie zugutekommt. Ideal ist es natürlich, wenn mir auch auf den kürzeren Wegstrecken möglichst viele lohnende Motive begegnen.

Totholz verbleibt im Wald…
…und wird schon bald voller Leben sein.

An dieser Stelle kommt nun der Nationalpark Bayrischer Wald ins Spiel. Hier wimmelt es geradezu von Motiven unterschiedlichster Art. Man braucht nicht mehr zu tun, als einfach nur den ausgewiesenen Wanderwegen zu folgen. Außerhalb der Hauptsaison sind sie alles andere als überlaufen. Nimmt man sich jeden Tag eine andere Route vor, dann kann man den Nationalpark in seiner gesamten Vielfalt erleben. Jede Menge gute Gründe, seine Kamera unterwegs heißlaufen zu lassen, stellen sich dabei ganz wie von selbst ein.

An absterbenden und toten Bäumen…
…machen sich die unterschiedlichsten Pilze zu schaffen…
…und bilden dabei wunderschöne Fotomotive.

Um einem erstaunlich weitverbreiteten Missverständnis zuvorzukommen: Ich spreche hier wirklich von dem gesamten Naturraum, der im Jahr 1970 als erster Nationalpark in Deutschland unter Schutz gestellt und seitdem mehrfach erweitert worden ist. Diese Erklärung scheint mir notwendig zu sein, denn gar nicht so wenige Besucher glauben, die dortigen Tierfreigehege seien der Nationalpark. Nein, sie sind – wenn überhaupt – nur ein sehr kleiner Teil davon. Auf ihre Bedeutung werde ich im nächsten Blogbeitrag eingehen. Dann wird’s selbstverständlich auch Fotos aus diesen Freigehegen geben. Heute aber möchte ich erst einmal den eigentlichen Nationalpark ein wenig vorstellen.

Bäume können so viel mehr sein…
…als bloße Holzlieferanten…
…wenn man sie lässt.
Nicht nur die Natur, sondern auch der Fotograf wissen es zu schätzen.

Bitte seht es mir nach, wenn ich hier weder auf die Geschichte dieses zumindest am Anfang äußerst umstrittenen Parks, noch auf seine geologischen und geografischen Beschaffenheiten eingehe. Wenn euch das interessieren sollte: Mit Wikipedia und anderen sehr gut aufbereiteten Informationen stehen dafür im Internet ausgezeichnete Quellen zur Verfügung. Dies alles jetzt per „Kopieren und Einfügen“ wiederzukäuen, ergäbe also wenig Sinn. Hier soll es vielmehr ausschließlich darum gehen, ein wenig Appetit zu machen auf ein wunderschönes Fleckchen Natur.

Der Nationalpark Bayrischer Wald umfasst etliche Hochmoore (Filze)…
…mit den für sie typischen Torfmoosen.
Auch der fleischfressende Rundblättrige Sonnentau (hier mit reicher Beute) ist dort zu finden.

Die Rundwanderwege

Bei meinen Vorbereitungen sehr hilfreich war eine offizielle Webseite der Nationalpark-Verwaltung, auf der alle ausgewiesenen Rundwege kurz, aber doch aussagekräftig beschrieben werden. Manche führen, so konnte ich lesen, in Urwald-Reliktgebiete, andere vorbei an Blockfelsen oder durch Moore (Filze), über ehemalige Waldweiden (Schachten), an Bergbächen mit ihren Aufstauungen (Klausen) entlang oder auch mal in die offenere Landschaft der Waldränder. Anhand dieser Kurzbeschreibungen habe ich für meine Fotowanderungen eine Reihe vielversprechender Rundwege ausgewählt.
Anmerkung: Die Wörter in Klammern geben die regional übliche Bezeichnung wieder.

Manche Elemente der Natur mutieren in der Kamera…
…zu beinahe abstrakten Strukturen.

Nicht zuletzt kam mir die Länge der meisten dieser Rundwege sehr entgegen. Aus den oben genannten Gründen ziehe ich die Grenze gerne bei fünfzehn, maximal zwanzig Kilometern. Je mehr lohnende Motive unterwegs auf mich warten, desto kürzer darf die Strecke aus meiner Sicht jedoch gerne sein – und die Rundwege hier im Nationalpark Bayrischer Wald weisen fast alle ein ausgezeichnetes Motive-pro-Kilometer-Verhältnis auf.

Besonders romantisch wird es im Nationalpark…
…wenn man inmitten des dichten Waldes…
…auf beeindruckende, moosbewachsene Felsblöcke trifft.

Jede Route ist mit einem Tiersymbol gekennzeichnet, so dass nicht einmal ein voll und ganz auf seine Kamera und mögliche Motive konzentrierter Naturfotograf vom Weg abkommen sollte. Haselhuhn, Siebenschläfer und Co. auf den stets an den richtigen Stellen angebrachten Wegweisern wissen es zu verhindern. Dabei ist den Mitarbeitern der Nationalpark-Verwaltung der schwierige Spagat zwischen dem Schutz der Natur und dem Wunsch vieler Menschen, diese möglichst hautnah zu erleben, erstaunlich gut gelungen.

Es lohnt sich, immer wieder mal stehen zu bleiben…
…und nach solch reizvollen Details Ausschau zu halten.

Cavete vulpem

Nur der Fuchs, eigentlich ja gerade für seine Schlauheit bekannt, hat uns in der prallen Sonne viel zu lange durch steile Wohnstraßen und sogar mitten durch eine Baustelle hatschen lassen, bis wir dann endlich abgeschwitzt den Wald erreichten. Mein Rat, falls ihr selbst einmal im Nationalpark Bayrischer Wald wandern wollt: Hütet euch vor dem Fuchs. Meister Reineke ist nicht so recht zu trauen, wenn er euch von seinem hölzernen Wegweiser aus auffordert, ihm zu folgen.

An lichteren Stellen findet man auch Blumen wie die Gefleckte Fingerwurz…
…oder die Schwarze Teufelskralle.

Im Ernst: Der Rundweg „Fuchs“ war zwar tatsächlich nicht das Highlight unserer Tage im Nationalpark, aber auch er hatte durchaus seine schönen Teilstrecken. Ansonsten waren wir mit dem hier Gebotenen nicht nur zufrieden, nein, wir waren davon geradezu begeistert. Schöner und abwechslungsreicher könnten solche Rundwanderwege gar nicht sein. Da merkt man es vor lauter Schauen und Staunen kaum, dass in diesem zweithöchsten Mittelgebirge Deutschlands fast immer auch jede Menge Höhenmeter zu bewältigen sind.

Jenseits des Waldrands blühen oft herrliche Wiesen.
Da wimmelt es nur so von Margeriten…
…und vielen anderen wunderschönen Blumen (hier das Mausohr-Habichtskraut).

Erfolgsgeschichte Nationalpark

Was man aber garantiert bemerkt, das ist die unglaubliche Schönheit der Natur – hier, wo man sie einfach nur in Ruhe lässt. Und wie haben sich in den ersten Jahren alle darüber aufgeregt, ertragreiche Wirtschaftswälder dem gefürchteten Borkenkäfer zum Fraß vorzuwerfen! Diese ganze „verrückte“ Idee eines Nationalparks wurde erbittert angefeindet. Und heute? Ein paar Ewiggestrige gibt es wohl noch immer. Alle anderen erfreuen sich an diesem herrlichen, überaus artenreichen Stückchen Natur, das hier im Laufe der vergangenen fünfundfünfzig Jahre entstanden ist und anderswo nicht leicht seinesgleichen findet. Welch eine Erfolgsgeschichte!

Im Wald laden die oft bizarr gewachsenen Wurzeln…
…immer wieder zum Hinschauen…
…und Fotografieren ein.

Der Bayrische Wald ist schon längst nicht mehr jene wirtschaftlich schwache Region von einst. Pfiffig agierende Mittelständler, aber nicht zuletzt auch der Tourismus haben in hohem Maße dazu beigetragen, den Menschen hier eine Zukunft zu bieten. Und was die Touristen betrifft, so kommen viele gerade deshalb hierher, um im Nationalpark eine Natur zu erleben, die ein wenig unberührter, ein bisschen wilder ist als das, was sie von anderswo kennen. Mir ging es da nicht anders.

Einst wurden im Lauf solch munter sprudelnder Bergbäche…
…kleine Stauteiche (Klausen) angelegt, die bei Bedarf einen Wasserschwall für den Holztransport ermöglichten.
Ebenfalls dem Holztransport dienten etliche Kanäle.
Heute besteht ihre Aufgabe eher darin, zur wildromantischen Stimmung im Nationalpark beizutragen.

Genug der Worte. Ich hoffe, die Bilder sprechen für sich und erzählen davon, welch unglaubliche Vielfalt die Natur hervorzubringen vermag, wenn wir ihr einmal nicht ins Handwerk pfuschen. Artenreiche Wälder, zu denen eben auch und gerade das alles andere als leblose Totholz gehört, sprudelnde Bergbäche, versteckte Moore, blühende Wiesen am Waldrand und die beinahe ein wenig unheimlich wirkenden Urwaldrelikte haben meine Wanderungen im Nationalpark Bayrischer Wald zu einem wunderbaren, einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen.

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen

nachwachsende Vielfalt
Wildnis am Wasser
Mikado
Jung und Alt
schönes Durcheinander

So beeindruckend der „eigentliche“ Nationalpark auch sein mag, möchte ich euch die Bilder aus den dortigen Tierfreigehegen doch keinesfalls vorenthalten. Aber das ist dann eine ganz eigene Geschichte – und die erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag.

Baumruine
Idylle am Bach
Die Natur wirkt gelegentlich geradezu bizarr…
…und nimmt auch gerne mal Umwege in Kauf.

Mit einem Klick auf den Button geht’s direkt weiter zum Teil 2.

Schreibe einen Kommentar