Härtetest für meine neue Ricoh GR 4

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Street

Erinnert ihr euch noch? Im letzten Blogbeitrag hatte ich davon berichtet, dass mich der strömende Regen von der Wattenmeerküste für einen Tag ins nicht minder regnerische Bremerhaven vertrieben hat. Auch wenn ich dabei quasi vom Regen in die Traufe kam, bot die größere Stadt mir doch wenigstens einige nette Annehmlichkeiten (z.B. auch im November geöffnete Cafés), die an der Küste mangels Touristen dann eher Mangelware sind. Auch wenn sich meine Haut selbst nach vielen Jahren regelmäßigen Gebrauchs noch als überraschend wasserdicht erweist und ich zudem im Besitz einer ihren Job sehr ordentlich erledigenden Regenjacke bin, steigern ein Kännchen Ostfriesentee mit Kluntjes und Sahne oder eine heiße Schokolade mein Wohlbefinden bei Schietwetter doch ganz enorm. Deshalb meine Flucht in die Stadt.

Ab jetzt nie mehr ohne Kamera

Begleitet hat mich dabei meine neue Immer-dabei-Kamera, die locker in wirklich jede Jackentasche (und selbst in die Hosentasche) passende Ricoh GR 4. Und genau das ist auch der Grund, warum ich sie mir zugelegt habe. Mit meiner Hauptkamera, der nun schon stark in die Jahre gekommenen Olympus (exakt: Olympus OM-D EM-1 Mark 2, aber das musste ich zuerst einmal nachschlagen, so etwas kann sich ja kein Mensch merken) bin ich nach wie vor absolut zufrieden. Sie bietet alles, was ich mir von einer Kamera wünsche, und ich habe bisher nicht den geringsten Grund gesehen, sie durch ein Nachfolgemodell oder gar eine andere Marke zu ersetzen.

Obwohl das Gesamtpaket aus Kamera und Objektiven fast die gesamte Konkurrenz in der Kategorie „Transportabilität“ um Längen schlägt (wenn man eine ähnlich kleine und leichte Systemkamera sucht, wird man ansonsten nur noch bei Panasonic fündig), ist die Olympus doch weit davon entfernt, in die Hosentasche zu passen. Mit anderen Worten: Sie ist in meinen Augen eine in nahezu jeder Hinsicht großartige, aber eben keine Immer-dabei-Kamera. Diese Lücke füllt bei mir nun seit Kurzem die Ricoh GR 4.

Mit ihrer Festbrennweite von KB-äquivalenten 28mm und einigen weiteren, durch ihre sehr kleine Bauart bedingten Einschränkungen (kein Sucher, Monitor nicht klappbar, geringere Akku-Kapazität) bietet sie weit weniger Flexibilität als meine Olympus; das lässt sich gar nicht bestreiten. Aber dafür kann ich sie wirklich immer dabeihaben. In meiner Jackentasche bemerke ich sie praktisch nicht und selbst in der Hosentasche beansprucht sie weniger Platz als ein Portemonnaie. Im Vergleich zu einem Handy ist sie zwar ein wenig dicker, ansonsten aber deutlich kleiner.

Warum ich eine „richtige“ Kamera dem Handy vorziehe

Beim Stichwort Handy stellt sich natürlich die Frage, warum jemand denn im Zeitalter dieser Alleskönner überhaupt noch eine Kamera, erst recht eine Hosentaschenkamera brauchen sollte. Ich will hier gar nicht auf die fotografischen Unzulänglichkeiten auch der besten Handys eingehen, die ja lediglich durch eine exzessive interne Bearbeitung der Fotos kaschiert werden. Damit könnte ich durchaus leben. Entscheidend war für mich etwas ganz anderes: Das Fotografieren mit dem Handy macht mir schlicht und einfach keinen Spaß. Zu umständliches Herumgetippe auf dem Bildschirm, keine echte Blendenwahl, zu langsam. Da bleibt bei mir das Vergnügen auf der Strecke.

Keine Frage, wer das will, der kann heute – zumindest unter geeigneten Bedingungen und von den passenden Motiven – sehr gute Aufnahmen mit dem Handy machen. Aber warum sollte ich das wollen, wenn in meine Hosentasche ebenso gut eine „richtige“ Kamera passt, mit der mir mein Hobby ungleich mehr Spaß macht? Ich mag es eben, wenn sich Fotografieren nicht wie Knipsen anfühlt.

Wir sollten der ganzen Technik aber auch nicht zu viel Bedeutung beimessen. Kameras sind schließlich nur Mittel zum Zweck. In Wirklichkeit geht es doch um die Bilder. Ob diese nun analog oder digital, per Kamera oder Handy, als RAW oder JPEG, mit Zoom oder Festbrennweite aufgenommen wurden, spielt im Grunde überhaupt keine Rolle. Da sollte jeder nach seiner Façon glücklich werden dürfen.

Was ich mir von einer Immer-dabei-Kamera erhoffe

Ich unternehme gerne kleinere und manchmal auch größere Fototouren. Ehrensache, dass mich dabei stets meine Kamera mitsamt den passenden Objektiven begleitet. Aber natürlich bin ich wie die meisten Menschen auch ansonsten häufig unterwegs, meistens in der Natur, manchmal in Städten, bevorzugt zu Fuß, oft jedoch auch auf dem E-Bike. In all diesen Fällen ist es mir viel zu lästig, meine „große“ Kamera mit mir herumzutragen, womöglich mitsamt ein paar Wechselobjektiven.

Tja, und genau bei solchen Gelegenheiten passiert es dann: Mal ist es eine besonders schöne Landschaft oder eine faszinierende Lichtstimmung, dann vielleicht auch eine unwiederbringliche Situation in der Stadt – ich könnte mir in den Allerwertesten beißen, wenn ich in solchen Momenten wieder einmal keine Kamera zur Hand habe.

So etwas, das ist zumindest meine Hoffnung, wird mir in Zukunft nicht mehr ganz so oft passieren. Ich werde dann nämlich in die Hosentaschen greifen, meine kleine Ricoh herausholen und die Chance fotografisch beim Schopf ergreifen. Zugegeben, mit ihrer Festbrennweite im Weitwinkelbereich wird sie mir nicht in allen Fällen aus der Patsche helfen können, aber mit etwas gutem Willen und einer angemessenen Laufbereitschaft meinerseits sollte es doch ziemlich oft möglich sein. Das ist der Plan. Mal schauen, ob er aufgeht.

Über die Bildqualität werde ich mir jedenfalls keinerlei Sorgen machen müssen. Für so eine kleine Kamera hat die Ricoh GR 4 einen überraschend großen Sensor im APS-C-Format. Der ist mehr als ausreichend – und sogar größer als sein MFT-Kollege in der Olympus. Auch ansonsten ist die Ricoh für meine Zwecke bestens ausgestattet. Als eine speziell für die Streetfotografie optimierte Kamera bringt sie praktisch alles mit, was auch in der Landschafts- und Reisefotografie von Nutzen ist. Sie stellt damit zwar auf keinen Fall einen vollwertigen Ersatz für meine Hauptkamera dar, aber eine höchst willkommene Ergänzung.

Alle Fotos im heutigen Blogbeitrag sind mit meiner neuen Ricoh GR 4 entstanden, wie oben schon geschildert bei strömendem Regen in Bremerhaven. Da sie im Gegensatz zur Olympus nicht komplett gegen das Eindringen von Wasser (und Staub) geschützt ist, habe ich sie stets in der Tasche meiner Regenjacke aufbewahrt und nur kurz für die Fotos herausgenommen. Zur Sicherheit steckte sie, wenn es ganz heftig wurde, noch zusätzlich in einer kleinen Plastiktüte. Beim Fotografieren bekam sie natürlich trotzdem immer einiges an Regen ab, aber diesen ersten Härtetest außerhalb ihrer Komfortzone hat meine neue Begleiterin mit Bravour bestanden. Sogar der naturgemäß recht kleine Akku hat sich bei Temperaturen um null Grad allen Unkenrufen im Internet zum Trotz als überraschend ausdauernd erwiesen. Ich glaube, das mit uns beiden könnte was werden.

fotografische Seitensprünge

Nicht nur hier im Glaslinsenspiel, sondern auch bei allen Aktivitäten mit meiner Kamera stand die Naturfotografie immer im Mittelpunkt. Das soll und wird auch zukünftig so bleiben. Dennoch habe ich schon vor längerer Zeit hier die Kategorie „Seitensprünge“ eingeführt, unter der ich seitdem alle jene Blogbeiträge zusammenfassen konnte, bei denen es um andere Genres als die Naturfotografie ging, um meine fotografischen Seitensprünge eben. Und was soll ich sagen? Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr Gefallen daran gefunden, auch mal ganz andere als reine Naturmotive in den Sucher zu nehmen.

Es hat mich beinahe selbst überrascht, wie viel Freude mir das gemacht hat. Genau deshalb und weil meine kleine Immer-dabei-Kamera mir da auch neue Möglichkeiten eröffnet, möchte ich so etwas zukünftig noch deutlich häufiger tun. Das wird sich dann sicher auch hier im Glaslinsenspiel auswirken. Im Moment bin ich gerade dabei, mir zu überlegen, wie ich das alles gut unter einen Hut bringen kann. Natürlich wäre es auch denkbar, meine Naturfotos und solche, die andere Motive zeigen, komplett getrennt in zwei verschiedenen Blogs zu zeigen. Aber derzeit neige ich mehr dazu, innerhalb des Glaslinsenspiels eine nachvollziehbare Aufteilung vorzunehmen. Bis Ende des Jahres soll das neue Konzept jedenfalls stehen. Lasst euch überraschen.

Übrigens: Fast alle Fotos des letzten Blogbeitrags über den Herbst am Jadebusen sind ebenfalls mit meiner Ricoh GR 4 aufgenommen worden. Nur für die vier Teleaufnahmen der Vögel im Watt kam die Olympus zum Einsatz. Für mehr Bilder der Ricoh braucht ihr also nur auf den Button unten zu klicken.

3 Kommentare

  1. Hallo, sehr schöner Beitrag und Fotos.
    Meine kleine Immer-dabei-Kamera seit 2025: Samsung NX 300M + NX 20 + NX 45 mm / Fotos im Link.
    Jens

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