Eine junge Hundedame berichtet

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Schmökern

Hallo Leute, mein Name ist Nika. Ich bin eine junge Belgische Schäferhündin. Als die Fotos entstanden sind, da war ich ziemlich genau vier Monate alt. Vielleicht sollte ich ja erst einmal kurz erklären, wie das mit uns Belgischen Schäferhunden so ist. Also, manche von uns haben kurze, andere wieder lange Haare. Auch in der Fellfarbe unterscheiden wir uns. Deshalb werden wir von den Menschen in verschiedene Varietäten eingeteilt. Irgendwie schaffen es diese Zweibeiner ja immer wieder, ganz einfache Dinge unnötig kompliziert zu machen.

Im Grunde sind wir einfach nur liebenswerte und – so sagt man – ziemlich gelehrige Hunde. Aber kaum hat einer von uns ein kurzes Fell, schon nennen ihn die Menschen einen Malinois. Ist unser Fell hingegen lang, dann heißen wir Tervueren. Aber nur, wenn es nicht schwarz ist. Das würde uns nämlich zu einem Groenendael machen. Sogar für jene von uns, die ein eher rauhaariges Fell ihr Eigen nennen, hat man sich flugs einen eigenen Namen ausgedacht: Laekenois.

Um ehrlich zu sein: Ich glaube, das ist alles ein ziemlicher Kokolores, nur erfunden, um uns Hunde in irgendwelche blöden Kategorien einteilen zu können. Nun ja, typisches Zweibeiner-Gedöns eben. Aber was soll’s? Dann bin ich eben eine junge Tervueren-Dame. Ihr wisst schon: Fell lang, aber weder schwarz noch rauhaarig.

Mit meinem Frauchen und meinem Herrchen habe ich so richtig viel Glück gehabt. Die sind beide schwer in Ordnung und immer sehr lieb zu mir. Das heißt aber nicht, dass ich nur auf der faulen Haut liegen dürfte. Ich muss ganz schön viel lernen. Aber die beiden sorgen immer dafür, dass da jede Menge Spaß dabei ist – und sogar das eine oder andere Leckerchen. Das Lernen gehört deshalb auch neben Dösen und Schuhe zerkauen zu meinen absoluten Lieblingsbeschäftigungen.

Auf den Bildern könnt ihr mal sehen, wie das mit meinem Unterricht so abläuft. Heute stand Bleiben, Sitzen und Kommen auf dem Programm. Dazu geht’s immer auf eine große Wiese, wo mein Frauchen Julia sich dann ganz schön weit weg von meinem Herrchen Pascal aufstellt. Ich weiß inzwischen, dass Julia bei dieser Übung immer meine Lieblings-Leckerchen dabeihat. Ich bekomme aber nur eines davon, wenn ich gut aufpasse und alles richtig mache. Das ist gar nicht so einfach, aber zum Glück bin ich ja ziemlich schlau und schaffe das inzwischen beinahe immer. Ich erklär‘ euch das mal:

Zuerst muss ich neben Pascal stehen oder sitzen bleiben. Irgendwann erlaubt man mir dann loszuflitzen. Da ich ja weiß, was mich erwartet, wenn ich bei Julia ankomme, fällt es mir schon ein wenig schwer, nicht gleich loszusausen. Anfangs habe ich das auch manchmal gemacht. Aber dann hat Julia am Ende kein Leckerchen rausgerückt. Da bin ich ganz umsonst gerannt. Also warte ich jetzt immer, bis ich endlich losspurten darf. Ihr seht schon: So eine Hundedame hat’s echt nicht immer leicht.

Wenn mein Kommando dann fällt, hält mich aber nichts mehr. Dabei – das muss ich zu meiner Ehrenrettung schon noch anfügen – geht’s mir nicht nur um das Leckerchen. Es macht auch einfach einen Riesenspaß, mit Volldampf durch die Wiese zu sausen. Ich kann nämlich schon richtig schnell flitzen. Und genau das mache ich jetzt auch.

Wie ihr sehen könnt, habe ich inzwischen ganz schön Fahrt aufgenommen. Aber das ist noch längst nicht alles. Wenn ich mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs bin…

…lege ich die Ohren an und lasse zur Kühlung die Zunge heraushängen. Das sieht dann vielleicht nicht mehr ganz so damenhaft aus, aber dafür geht nun so richtig die Post ab.

Der Papa von meinem Herrchen hat sich mit seiner Kamera neben meinem Frauchen postiert. Er will versuchen, ein paar Aufnahmen davon zu machen, wie toll ich schon flitzen kann. Na, ich bin ja mal gespannt, ob der wirklich schnell genug reagiert, um mit seiner Kamera einen Tervueren in voller Geschwindigkeit zu erwischen.

Solche Actionbilder darf er ja von mir aus gerne machen. Erst war ich allerdings ganz schön skeptisch, als ich hörte, dass ich als Model herhalten sollte. Ich hab‘ nämlich mal von meiner gemütlichen Hundedecke aus gesehen, dass die zweibeinigen Models im Fernsehen auf den Cat Walk geschickt wurden. Zwar weiß ich nicht so ganz genau, was damit gemeint ist, aber eines war mir sofort klar: Cat Walk, das ist definitiv unter meinem Niveau. So weit werde ich keinesfalls sinken. Schließlich bin ich eine echte Belgische Schäferhündin und keine Miezekatze.

Zum Glück hat sich dann aber herausgestellt, dass ich nichts weiter tun musste, als das, was ich ohnehin so gerne mache: Von Herrchen zu Frauchen sausen und mir dort mein Leckerchen abholen. Mich dabei fotografieren zu lassen, konnte ich dann doch problemlos mit meiner Hundeehre vereinbaren.

Ich habe beim Laufen dann auch lediglich ein ganz klein wenig darauf geachtet, eine möglichst gute Figur abzugeben. Man möchte als junge Dame ja nicht peinlich wirken.

Eigentlich war es dann eher Pascals Papa, der einen etwas peinlichen Anblick geboten hat. Er lag direkt neben Julia im nassen Gras, hat durch diese komische Kamera mit dem langen Rüssel geschaut und manchmal gar nicht mitbekommen, wo ich gerade war. Ich fand es richtig lustig, wenn er mich noch beim Flitzen fotografieren wollte, während ich schon längst bei Julia stand und mir bereits mein Leckerchen abgeholt hatte. Zweibeiner sind eben nicht gerade die Schnellsten.

Hier könnt ihr mal sehen, wie gut ich flitzen kann. Nun ja, ich fliege eben auf mein tolles Frauchen – und, aber das dürfte ich wohl bereits ein- oder zweimal erwähnt haben, auf die Leckerchen, welche sie für mich bereithält.

Jetzt sind es nur noch wenige Meter, und ich bin am Ziel. Erkennt ihr, wie ich an der Kamera vorbeischaue? Tja, die interessiert mich in diesem Moment auch herzlich wenig. Selbst der Fotograf ist mir nun piepegal. Jetzt zählt nur noch mein Frauchen. Schließlich habe ich alles richtig gemacht, und da wird sie mich loben und mir dieses Lob zusätzlich mit – ihr ahnt es sicher schon – einem Leckerchen versüßen.

Falls ihr euch fragen solltet, warum mein Frauchen gar nicht auf den Fotos zu sehen ist: Nun, der Fotograf hat wirklich die ganze Zeit neben ihr im Gras gelegen und dabei nur Augen für mich gehabt. Aber natürlich hätte das alles ohne meine Julia gar nichts werden können. Sie war es schließlich, die dafür gesorgt hat, dass ich immer zu der genau passenden Stelle gelaufen bin. Ohne sie hätte es kein einziges dieser Fotos gegeben. Dafür gibt’s von mir und auch vom Fotografen ein herzliches Dankeschön.

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