Nur kurz zur Erinnerung: Im ersten Teil unserer großen Schweizrundfahrt ging es mit unserem neuen E-Auto von Schaffhausen über Stein am Rhein und Arbon bis nach Appenzell. Im heutigen Blogbeitrag folgen wir der Grand Tour of Switzerland weiter über Vaduz (FL), Bad Ragaz, Chur, das sehr besondere Bergdorf Guarda und Sankt Moritz bis ins wunderschöne Fextal. Falls ihr den ersten Teil bisher noch nicht angeschaut haben solltet, dann bringt euch, wenn ihr denn mögt, ein Klick auf den folgenden Button direkt dorthin:
Vaduz (Liechtenstein)
Trotz ihres Namens entführt uns die Grand Tour of Switzerland heute zuerst einmal ins Fürstentum Liechtenstein. Wir entschließen uns zu einem kleinen Bummel durch den Hauptort Vaduz. Oben am Berg liegt sehr malerisch das Schloss, aber unten im Ort will keine rechte Atmosphäre aufkommen. Hier quetschen sich auf engstem Raum allerlei moderne, mal mehr, mal weniger ansehnliche Gebäude zu einem insgesamt doch eher belanglosen Ortsbild zusammen.

Bad Ragaz
Unser heutiges Etappenziel ist der nicht sonderlich attraktive, aber dafür recht günstig gelegene Ort Landquart. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung bis nach Bad Ragaz mit seiner berühmten Thermalquelle. Aber damit nicht genug: Auch die Rheinschlucht bei Flims liegt quasi direkt vor der Tür. Gute Gründe also, Landquart als Standort für die nächsten beiden Tage auszuwählen.


In einem etwas altmodischen Café in Bad Ragaz genehmigen wir uns noch eine kleine Stärkung. Leckere Nusshörnli und eine ordentliche Tasse Tee werden uns hoffentlich wappnen für die mühsame Prozedur des Self-Check-ins beim Hotel. Wir übernehmen diese Aufgabe selbstverständlich sehr gerne, denn man will als guter Gast dem armen Schweizer Hotelier ja nicht auch noch die schier unzumutbaren Kosten einer mit einem echten Menschen besetzten Rezeption aufbürden.


Rheinschlucht bei Flims
Zuvor aber machen wir noch einen Abstecher zur Rheinschlucht. Allerdings verzichten wir darauf, sie zu erwandern. Auch mit dem Auto gelangt man recht problemlos an einen geeigneten Aussichtspunkt. Als Kind des Ruhrgebiets war ich mit meinen Eltern sehr oft am Niederrhein. Kaum zu glauben, dass dies derselbe Fluss sein soll, der sich hier eine solch gewaltige Schlucht gegraben hat.

Wanderung durch die Taminaschlucht
Am nächsten Morgen machen wir uns bei leichtem Regen erneut auf den Weg nach Bad Ragaz. Heute wollen wir die Taminaschlucht erkunden. Sie erweist sich nicht nur als landschaftlich höchst beeindruckend, sondern ist auch durch die hier sprudelnde 36,5°C warme Thermalquelle von großer Bedeutung für den Kurort. Vom Ortszentrum führt ein für Autos – nicht aber für Postbusse – gesperrter Weg immer an der Tamina entlang flussauf in die nach und nach enger werdende Schlucht.




Bei Bad Pfäfers, wo einst Paracelsus als Badearzt wirkte, müssen wir einen moderaten Wegezoll entrichten, um dann in den wohl beeindruckendstens Teil der hier sehr engen Schlucht zu gelangen. Immer an den steilen Felswänden entlang erkunden wir auf gut gesicherten Stegen diese vom Wasser tief in die Felsen eingefräste Klamm.


Chur
Am Nachmittag besuchen wir Chur, die angeblich älteste Stadt der Schweiz. Allerdings werden wir ein paar Tage später zu unserem Erstaunen eine weitere älteste Stadt der Schweiz kennenlernen, nämlich Sion. Nun, warum sollte diese altehrwürdige, weltweit ebenso bewunderte wie beneidete Eidgenossenschaft es nicht verdienen, gleich zwei älteste Städte ihr Eigen zu nennen?



Obwohl das Wetter noch immer nicht so richtig mitspielen will, haben wir eine Menge Freude daran, durch die Altstadtgassen zu streifen. Immer wieder entdecken wir einen weiteren malerischen Winkel, ein noch hübscher verziertes Haus, aber auch den einen oder anderen prächtigen Platz. Die Stunden vergehen schneller als gedacht; es wird Zeit, uns nach einem Restaurant fürs Abendessen umzusehen. Das ist schnell erledigt, denn auch in dem Punkt enttäuscht Chur uns nicht.



Unsere erste Passstraße mit dem E-Auto
Am nächsten Tag geht es weiter zu unserem nächsten Hotel im Fextal. Mit dem 2.383 Meter hohen Flüela-Pass muss unser Stromer seine erste richtige Herausforderung am Berg bewältigen. Er meistert diese Aufgabe mit Bravour, schnurrt nur so die Steigung hinauf. Zwar geht dabei die Anzeige der Restreichweite deutlich flotter als in der Ebene nach unten, aber bergab, wenn der Motor als Generator arbeitet, gewinnen wir einen erstaunlich großen Teil davon wieder zurück. Am Ende fällt somit der Stromverbrauch je Kilometer nur geringfügig höher aus als im bisherigen Durchschnitt.

Übrigens gerät die Bergabfahrt im E-Auto zu einem echten Vergnügen: Einfach nur die höchste Rekuperationsstufe einstellen und schon geht’s, ohne auch nur ein einziges Mal bremsen zu müssen, durch alle Kehren wieder ins Tal. Noch nie hat das Befahren eines Passes so viel Spaß gemacht. Wie schön, dass davon noch der eine oder andere im Rahmen der Grand Tour auf uns wartet.

Guarda – ein sehr besonderes Bergdorf
Wenige Kilometer nachdem wir den Flüela-Pass in Richtung Unterengadin überquert haben, machen wir einen kleinen Abstecher in das hoch am Berg gelegene Guarda. Hier gibt es nicht einfach nur hübsche Häuser zu bewundern, sondern auch noch eine Besonderheit: So manches Haus weist als Verzierung die für diese Gegend typischen Sgraffiti auf. Sie werden in den noch feuchten Putz geritzt, nicht mit Farbe aufgetragen. Es macht uns viel Freude, durch dieses zum Glück autofreie Bergdorf zu bummeln. Immer wieder entdecken wir dabei liebevoll gestaltete Details.





Sankt Moritz
Welch ein Kultursprung, als wir kurze Zeit später das berühmte Sankt Moritz erreichen! Eben noch das authentische Dörfchen Guarda, jetzt dieses voll und ganz auf Sehen-und-gesehen-werden-Tourismus setzende alpenländische Disneyland: Boutiquen voller Designermode, eine erstaunliche Dichte an feuerroten Ferraris und ähnlichen fahrbaren Unterlegkeilen, nur hier und da noch ein paar schöne alte Häuser, optisch erdrückt von edel wirken wollenden, aber doch zumeist hässlichen Neubauten. Wir können diesem internationalen Schickimicki-Hotspot nicht viel abgewinnen. So bleibt es dann auch bei ein paar Aufnahmen am See. Zu mehr wollte sich meine Kamera beim besten Willen nicht überreden lassen. Sie hat eben auch ihren Stolz.


Das Fextal
Am späten Nachmittag erreichen wir ein ganz klein wenig abseits unserer Grand Tour of Switzerland den Ort Sils. Hier müssen wir unseren Wagen zurücklassen, denn im Fextal ist das Autofahren streng limitiert. Weiter geht’s stattdessen mit dem Shuttlebus. Bereits die Fahrt zum Hotel bestätigt uns, dass wir sehr gut daran getan haben, unsere nächste Übernachtung nicht im mondänen Sankt Moritz, sondern hier einzuplanen.


Noch vor dem Abendessen brechen wir zu einer ersten kleinen Wanderung durch die wunderschöne Landschaft auf. Welch ein Vergnügen, entlang der üppig blühenden Blumenwiesen zu streifen, noch dazu vor dieser imposanten Bergkulisse! Da ist es beinahe schade, dass noch ein Abendessen im Hotel auf uns wartet, auch wenn es sich als vorzüglich erweisen wird.




Am nächsten Morgen drehen wir noch eine ausgedehnte zweite Runde, bevor uns der Shuttlebus dann wieder nach Sils zu unserem Auto bringt. Zum ersten und einzigen Mal in diesem Urlaub beschleicht uns das Gefühl, bei der Planung vielleicht doch einen Fehler gemacht zu haben: Hier im wunderschönen Fextal wären wir gerne ein wenig länger geblieben.

