Grand Tour of Switzerland mit dem E-Auto

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Natur, Street

Das war knapp! Erst kurz vor unserer geplanten Reise haben wir das neue E-Auto, unser erstes, beim Händler in Empfang nehmen können. Die lange Lieferzeit von mehr als sieben Monaten war wohl der Preis dafür, dass unser Skoda Elroq zum Auto des Jahres gewählt worden ist. Jetzt bleiben uns nur ein paar Tage, um uns an unser neues Gefährt und vor allem an die Besonderheiten der E-Mobilität zu gewöhnen. Danach soll es auf große Fahrt gehen.

Anfang Juli wollen wir uns mit einigen Freunden in der Nähe von Zürich treffen. Für uns die ideale Gelegenheit, bereits früher in die Schweiz zu reisen und endlich einmal die „Grand Tour of Switzerland“ auszuprobieren. Diese durchgängig ausgeschilderte Route führt einmal im Uhrzeigersinn durch die ganze Schweiz, wobei sie allerlei Schlaufen, Umwege und Abzweigungen bereithält, um möglichst viele Städte, Landschaften und Sehenswürdigkeiten anzusteuern.

typisch Schweiz: blumengeschmückter Brunnen (hier in Schaffhausen)

Unser Einstieg in die Grand Tour: Schaffhausen

Wir steigen bei Schaffhausen in die Grand Tour ein und planen, sie dreieinhalb Wochen später bei unseren Zürcher Freunden abzuschließen. Was wir heute noch nicht wissen: In der ersten Woche werden uns bei recht wenig Sonne und eher kühlen Temparaturen immer wieder heftige Regenschauer, manchmal auch länger anhaltender Landregen begleiten. Zum Ausgleich wird im weiteren Verlauf die ungewöhnliche Hitze mit täglich weit über 30 Grad alles daran setzen, uns nach und nach zu zermürben. Spoiler: Sie wird sich an uns die Zähne ausbeißen. Die Schweiz ist einfach viel zu schön, um sich von Regen oder Hitze den Spaß verderben zu lassen.

Viele Häuser sind prachtvoll bemalt…
…und reich verziert.

Aber noch einmal zurück: Schon im Vorfeld einer solchen Reise gilt es so mancherlei zu beachten. Da ist zum einen der Kauf der Autobahn-Vignette. Zwar führt die Grand Tour of Switzerland nur an wenigen Stellen über die Autobahn, aber ohne geht es eben doch nicht ganz. Zum Glück gibt es inzwischen die praktische E-Vignette. Man muss seine Windschutzscheibe also nicht mehr mit den schwer entfernbaren Klebebildchen vollpflastern, wie sie bisher die Autos aller Schweiz-Urlauber zierten.

Für uns wird Schaffhausen…
…als die Stadt der prächtigen Erker…
…in Erinnerung bleiben.

Der nächste Punkt, den es zu beachten galt: Weil die Schweiz nicht zur EU gehört, musste der Handy-Vertrag noch flugs um die – natürlich kostenpflichtige – Option „in der Schweiz wie in der EU telefonieren“ erweitert werden, da sonst unverschämt hohe Roaming-Gebühren angefallen wären. Wir sind zwar alles andere als Handy-Junkies, aber so eine Reise lässt sich inzwischen ohne Buchungs-, Park- und Lade-Apps kaum mehr vernünftig organisieren.

Selbst unter dicken Regenwolken…
…verliert Schaffhausen nichts von seinem Charme.

Tja, und dann blieb ja noch die Frage, wie wir in der Schweiz an den Strom für unser Auto kommen sollten. Welche Ladekarten oder -Apps würden dort wohl funktionieren? Für Deutschland ist unsere Ladestrategie sehr einfach: Zu Hause gibt’s kostenlosen Solarstrom vom Dach, auf weiteren Strecken Ökostrom bei EnBW. Notfalls geht’s auch mal zu Ionity. Für EnBW haben wir ein Abo abgeschlossen, Ionity ist in unserem Skoda Powerpass mit drin, ebenfalls per Abo.

Blick vom Munot über einen Weinberg hinweg auf die Altstadt

Nach einiger Recherche beschlossen wir, mit diesen beiden Ladekarten auch in der Schweiz auskommen zu wollen. Als praktikabler und günstiger erwies sich dabei der Powerpass. Mit ihm konnten wir an allen Schweizer Ladesäulen (eine Ausnahme gab es) problemlos und meistens auch einigermaßen günstig – für Schweizer Verhältnisse – laden.

am Ufer des Rheins
zur blauen Stunde in der Altstadt

Bevor ich später auf das Thema „Reichweite“ zu sprechen komme, will ich jetzt aber doch lieber schnell noch ein paar Worte über unsere erste Station an der Grand Tour verlieren: Schaffhausen ist ohne Frage eine ausgesprochen hübsche Stadt; ich hoffe, die Bilder haben das ein wenig deutlich machen können. In den oft engen Gassen der Altstadt reiht sich ein reich verziertes Haus an das nächste, wobei vor allem die vielen wunderschönen Erker ins Auge fallen. Auch ohne den berühmten Rheinfall, dessen tosende Wassermassen ja etwas außerhalb bei Neuhausen zu bestaunen sind, wäre Schaffhausen noch immer eine äußerst sehenswerte Stadt. Einen besseren Einstieg in die Grand Tour hätten wir kaum wählen können.

am berühmten Rheinfall
Per Bootstrip können Touristen die tosenden Wassermassen aus nächster Nähe erleben.

Stein am Rhein – Arbon – Appenzell

Heute liegen ca. 130 Kilometer vor uns, bevor wir dann an unserem nächsten Hotel in Appenzell eintreffen werden. Dort wollen wir für zwei Nächte bleiben. Vielleicht ist dies ein ganz guter Moment, sich einmal mit dem Seniorenwort des Jahres zu befassen. Nun ja, das habe ich mir jetzt zwar ausgedacht, aber seit wir den Entschluss gefasst hatten, uns ein reines Elektroauto anzuschaffen, bekamen wir speziell von älteren Semestern (zu denen wir ja selbst auch gehören) kaum eine Frage öfter zu hören als die nach der Reichweite. Die Jüngeren erkundigten sich seltsamerweise so gut wie nie danach; sie waren eher an den technischen Features des ins Auge gefassten Modells interessiert. Kein Wunder also, dass „Reichweitenangst“ es locker auf Platz 1 meiner ganz persönlichen Hitliste der Seniorenwörter des Jahres geschafft hat.

Stein am Rhein lockt wegen der prächtigen Altstadt…
…und der idyllischen Lage am Fluss viele Touristen an.

Um es kurz zu machen: Die Angst vor einer leeren Batterie hat in unserem Urlaub zu keiner Zeit auch nur die kleinste Rolle gespielt. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz gibt es mehr als genug Ladesäulen. Und dabei haben wir jene, an denen man nur langsam – also mit Wechselstrom – laden kann, noch gar nicht berücksichtigt. Mit Ausnahme des einen oder anderen Hotels, wo wir unser Stromerle entweder komplett gratis oder zu stark vergünstigten Preisen über Nacht füttern konnten, haben wir stets auf Schnellladesäulen zurückgegriffen, bevorzugt solche, die ganz in der Nähe eines Cafés oder Restaurants zu finden waren.

Es lohnt sich immer wieder…
…auch auf die liebevoll gestalteten Details zu achten.

Diese Strategie hat sich bewährt. Während unser Auto lud, konnten wir ganz gemütlich einen Tee trinken oder ein Eis schlecken, hier und da auch mal eine Kleinigkeit essen. Der Wagen brauchte mit maximal zwanzig Minuten stets deutlich weniger Zeit als wir für unsere Pause. Zum Glück gab es immer genügend freie Ladesäulen. Wir konnten also jedes Mal unsere Rast in Ruhe beenden, ohne uns den Zorn anderer Ladewilliger zuzuziehen.

Neben einem Bummel durch die wuselige Hauptstraße…
…lohnt es sich ebenso, auch mal einen Blick…
…in die ruhigeren Gassen zu werfen.

Wir haben uns übrigens nie vom Ladezustand der Batterie vorschreiben lassen, wann wir einen Stopp einlegen mussten. Es ist grundsätzlich andersherum gelaufen: Wenn wir gerne eine Pause machen wollten, dann haben wir uns vom Navi eine passende Ladestation am Weg suchen lassen. Es sagt ja niemand, dass man erst laden darf, wenn die Batterie weitgehend leer ist. So kamen wir zu unserer wohlverdienten Rast – und an deren Ende ging es mit voller Batterie weiter. Wo man mit seinem Verbrenner z.B. an der Autobahn erst an die Tankstelle muss, bevor man sich dann anschließend ins Restaurant begibt, geht das bei einem E-Auto ganz bequem gleichzeitig. Einfach ideal!

Deutlich gemächlicher geht es…
…im hübschen Arbon am Bodensee zu…
…zumal das Wetter nicht gerade…
…zum Wassersport verlockt.

Ihr merkt schon, ich wechsle bei diesem Blogbeitrag recht wild hin und her. Einerseits möchte ich gerne von unseren Erfahrungen mit dem E-Auto in der Schweiz berichten; anderseits will ich aber auch nicht versäumen, unsere Eindrücke von der Rundreise durch dieses enorm vielfältige Land in Wort und Bild (das vor allem) zu schildern. Also erneuter Szenenwechsel: Von Schaffhausen ging es zunächst in das höchst charmante Städtchen Stein am Rhein. Bei sehr wechselhaftem Wetter bummelten wir durch die wiederum ausgesprochen hübschen Gassen. Man könnte auf den ersten Blick beinahe den Eindruck gewinnen, dies sei gar kein richtiger Ort, sondern eine extra für die vielen Touristen geschaffene Kulisse. Aber wenn sich auch die vielen Gaststätten und Läden wohl tatsächlich in erster Linie an die große Zahl von Tagesgästen richten: Echt ist das alles natürlich dennoch. Wir sind schließlich in der soliden Schweiz, nicht in Las Vegas.

Das kleine Appenzell besticht mit…
…seinen fröhlich bunten und…
…überraschend vielfältigen Fassaden.

Ein wenig anders sieht es bei unserem nächsten Stopp in Arbon aus. Nach hier an den Bodensee dürfte es wohl vor allem Wassersportler jeglicher Couleur ziehen. Heute aber lädt das Wetter nicht zu solcher Art der Vergnügungen ein. So bummeln wir fast alleine durch den Ort, der zwar alles andere als unattraktiv, aber eben auch nicht allzu herausgeputzt wirkt. Damit können wir sehr gut leben.

Wer genau hinsieht, der wird…
…nicht selten zum Schmunzeln eingeladen.

Am späten Nachmittag treffen wir dann in Appenzell ein. Kaum angekommen, können wir bereits von einem ersten sehr positiven Erlebnis berichten: Der freundliche Chef unseres Hotels bietet uns sofort an, hinter dem Haus kostenlos zu parken und dabei auch noch gratis unser Auto aufzuladen – alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Da Appenzell ein eher kleiner Ort ist, spazieren wir …
…mehrmals durch dieselben Gassen, wo wir aber…
…immer wieder etwas Neues entdecken.

Unser anschließender Bummel bestätigt dann diesen ersten Eindruck: Appenzell ist wirklich ein in jeder Hinsicht ausgesprochen freundlich wirkendes Dorf. Das bezieht sich auf die bunt bemalten Häuser ebenso wie auf die Menschen. Wir werden in allen Läden, Cafés und Restaurants ausgesprochen herzlich bedient. Man nimmt sich hier spürbar Zeit für seine Gäste. Wie überaus angenehm!

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen…
…geraten wir auch noch in ein Foto-Shooting der adrett herausgeputzten Dorfjugend.

Wanderung zum Seealpsee

Am nächsten Morgen erwartet uns wiederum jede Menge Regen. Wir lassen uns aber nicht davon abschrecken und beschließen, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Mit dem Auto sind es nur ein paar Minuten bis Wasserauen. Von dort machen wir uns, gut gegen Kälte und Regen geschützt, auf den Rundweg zum Seealpsee. Erst geht es recht steil durch den Wald und vorbei an ein paar kleineren Wasserfällen, bis wir dann eine Art Hochebene erreichen.

Nach einem recht steilen Anstieg…
…treffen wir auf fleißige Käserei-Mitarbeiter.
Haus mit Aussicht
Tief hängende Wolken schaffen eine beinahe mystische Stimmung.

Vorbei an der ein oder anderen Bergkäserei (irgendwo muss der berühmte Appenzeller ja herkommen) wandern wir dann ohne große Höhenunterschiede zum See. Er liegt sehr idyllisch inmitten der an dieser Stelle gar nicht so gewaltig wirkenden Bergwelt. Es ist ein ausgesprochenes Vergnügen, ihn einmal ganz in Ruhe zu umrunden, auch wenn der unten ausgelobte Gasthof uns heute leider keine Einkehr bieten mag.

Seealpsee
Hier entsteht der beliebte Appenzeller Käse.
Die idyllisch gelegene Gaststätte hat heute geschlossen.

Unsere Reise auf den Spuren der Grand Tour of Switzerland wird weitergehen. Aber eine so erlebnisreiche Fahrt durch ein überaus vielfältiges Land wie die Schweiz bietet Lesestoff und Fotos für weitaus mehr als nur einen Blogbeitrag. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Lust hättet, uns auch auf den nächsten Etappen wieder zu begleiten.

Wer genau hinschaut erkennt: Dies hier ist keine Geringere als Miss Toggenburg 2020.
ein letzter Blick zum wunderschön gelegenen Seealpsee

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