Und das sollen richtige Fotos sein?

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Natur

Vermutlich werden sich einige von euch die Frage stellen, warum ich, obwohl im Besitz einer vernünftigen Kamera, nichts Besseres damit anzufangen weiß, als solch verwackelte Aufnahmen wie in diesem Blogbeitrag zu produzieren. Meine Antwort: Erstens mache ich solche Bilder ja nur hin und wieder, zweitens mag ich diese Art der Fotografie tatsächlich recht gern – und drittens sind zumindest die Fotos im heutigen Blogbeitrag eher aus der Not heraus entstanden.

Mein Plan sah gänzlich anders aus. Eigentlich hatte ich es auf richtig schöne Bilder vom Sonnentau abgesehen. In meinen Augen ist er eines der absoluten Topmodels im an Schönheiten ja nicht gerade armen Reich der Pflanzen. Und das Beste: Ich weiß nicht allzu weit von meinem Wohnort entfernt einen Platz, wo ich ihn ohne lange Sucherei nahezu mühelos finden kann – im Hahnenmoor bei Herzlake. Genau dorthin sollte meine Fototour dieses Mal gehen.

Schon am Vorabend hatte ich meinen Fotorucksack mit Sorgfalt gepackt. Nichts, aber auch gar nichts sollte fehlen, was mir helfen könnte, meine Models so richtig schick in Szene zu setzen. Morgen würde mein großer Sonnentau-Tag werden. Da ich unbedingt früh im Moor sein wollte, ging ich recht bald zu Bett, aber selbstverständlich nicht, ohne noch einmal einen letzten Blick auf die Wetterprognose zu werfen. Sie kündigte genau das Wetter an, das ich mir für meine Fototour wünschte. Beruhigt legte ich mich voller Vorfreude schlafen.

Als dann um kurz nach Vier der Wecker klingelte musste ich zwar einen kräftigen Fluch unterdrücken, quälte mich aber dennoch unverzüglich aus den Federn. Jetzt nur keine Zeit verlieren. Waschen, Zähne putzen, anziehen, ein schnelles Glas Saft – und dann los. Hatte ich auch nichts vergessen? Der Fotorucksack lag im Kofferraum, ebenso das Stativ; alle Akkus waren voll und die Speicherkarten leer. Da sollte wohl nichts mehr schiefgehen können.

Kennt ihr dieses Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben; ihr kommt aber nicht darauf, was es sein könnte? Während der gesamten Fahrt zum Hahnenmoor konnte ich diese bohrende Ungewissheit nicht loswerden. Und dann fiel es mir plötzlich ein: Vor lauter Eile hatte ich vergessen, noch einmal kurz meine Wetter-App zu checken. Ich beruhigte mich aber mit dem Gedanken, dass ja gestern Abend noch das allerbeste Fotowetter angekündigt worden war. Kaum hatte ich mich wieder ganz entspannt in meinen Sitz zurückgelehnt, da ging es auch schon los: Es regnete in Strömen.

Am Ziel angekommen war ich mir zwar so gut wie sicher, dass ich meinen Plan mit den Sonnentau-Bildern vergessen konnte, dreht aber dennoch eine erste Runde im Regen durch das Hahnenmoor. Mein Verdacht bestätigte sich leider: Die allermeisten dieser winzigen Pflänzchen befanden sich nun buchstäblich unter Wasser und jene, denen dieses Schicksal erspart geblieben war, hatten zumindest ihre sonst so attraktiv in der Sonne glitzernden Sekret-Tröpfchen verloren. Vermutlich wird der Regen sie einfach fortgewaschen haben.

Ein neuer Plan musste her. Zum Glück war ich kurz vor dem Ziel an einer Bäckerei mit angeschlossenem Café vorbeigekommen. Dort würde es sich bei einem Tee und einem kleinen Frühstück gewiss besser planen lassen als hier im Moor bei Wind und Regen. Also fuhr ich die paar Kilometer zurück und gab meine Bestellung auf. Die Aussicht auf Tee und belegte Brötchen schaffte es, meinen Ärger über das Wetter zu besänftigen – oder eigentlich über mein Versäumnis, die neueste Prognose anzuschauen.

Rechtzeitig zum Ende des Frühstücks hatte ich dann tatsächlich einen neuen Plan: Ich würde jedenfalls auf keinen Fall ohne Bilder nach Hause fahren. Allerdings schränkte mich meine komplett auf die Sonnentau-Fotografie ausgerichtete Ausrüstung nicht unerheblich ein. Aber mein kleinstes Zoomobjektiv, das den Bereich vom leichten Weitwinkel bis zum leichten Tele abdeckt, hatte ich dabei. Auch die Neutralgraufilter fanden sich im Fotorucksack. Damit ließe sich doch gewiss etwas anfangen.

Bei meinem ersten Rundgang durchs Moor hatte ich bemerkt, wie viele Farbnuancen und Strukturen in dieser auf den ersten Blick ja eher etwas langweiligen Landschaft auszumachen sind. Wie wäre es, wenn ich mich einmal ganz darauf konzentrierte? Und was wäre dafür besser geeignet, als die gute alte ICM-Methode? Ja genau, das war es: Ich würde einfach versuchen, diese Vielfalt an Farben und Formen mit einer während der Aufnahme bewegten Kamera (ICM: Intentional Camera Movement) festzuhalten.

Um auf den Anfang zurückzukommen: Ob euch solche Bilder gefallen, das müsst ihr natürlich selbst entscheiden. Ich mag sie recht gerne, vielleicht alleine schon deshalb, weil sie auf eine eher spielerische Weise entstehen. Dieses Mal haben sie mir jedenfalls als kurzfristig umgesetzter Plan B den Tag gerettet. Anstatt mich über den Regen zu ärgern, konnte ich mal wieder ein wenig mit meiner Kamera herumspielen. Was will man/Mann mehr?

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