Im letzten Blogbeitrag hatte ich euch schon davon berichtet: Obwohl ich in erster Linie wegen der knorrigen alten Hutebäume dort war, konnte ich der enormen Vielfalt an Pilzen im herbstlichen Urwald Sababurg nicht widerstehen. Es wäre ja auch viel zu schade gewesen, mir diese unverhoffte Gelegenheit entgehen zu lassen. Pilze sind nicht nur sehr hübsche Fotomotive, sie haben auch noch – im Gegensatz zu Blumen oder Insekten – die begrüßenswerte Angewohnheit, selbst bei heftigem Wind für den Fotografen stillzuhalten. So habe ich es gerne, so mag ich es.

Leider kenne ich mich mit Pilzen nicht besonders gut aus. Die Namen meiner Models werde ich euch deshalb schuldig bleiben. Zum Glück musste ich beim Fotografieren nicht zwischen essbaren und giftigen Arten unterscheiden, konnte mich ganz auf die optische Eignung als Motiv konzentrieren. Wir Naturfotografen sind da manchmal ebenso oberflächlich wie unsere Kollegen aus der Modebranche: Aussehen schlägt innere Werte.


Nachts regnete es leicht, und so taten die Pilze genau das, was ein weithin bekanntes Sprichwort ihnen unterstellt: Sie schossen „wie die Pilze aus dem Boden“. Der neben dem Regen wohl wichtigste Grund für ihre erstaunliche Anzahl und Vielfalt dürfte aber sein, dass ihnen hier im Urwald Sababurg jede Menge Totholz in allen Abbaustadien zur Verfügung steht. Und bei eben diesem Abbau spielen nun einmal Pilze eine ganz entscheidende Rolle. Ohne sie käme die perfekt ausgeklügelte Kreislaufwirtschaft der Natur gehörig ins Stocken.



Wurden Pilze früher noch zu den Pflanzen gezählt, so haben die Wissenschaftler ihnen heute ihr eigenes Reich neben – oder sollte ich vielleicht besser sagen zwischen – den Tieren und den Pflanzen eingeräumt. Das ist auch absolut berechtigt, denn in mancher Hinsicht ähneln sie nun einmal mehr diesen, in anderer mehr jenen. So sind Pilze zwar ortsgebunden wie Pflanzen, können aber im Gegensatz zu diesen keine Fotosynthese betreiben, also aus Wasser und CO2 mittels Sonnenenergie keine Blätter, Blüten usw. bilden. Sie leben stattdessen, genau wie Tiere, von deren Abbau.



Es war sicher kein reiner Zufall, dass ich gerade im Urwald Sababurg solch eine Vielfalt unterschiedlicher Pilze vor die Linse bekam. Nicht wenige von ihnen laben sich nämlich besonders gerne an dem hier so überreichlich vorhandenen Totholz. Im Grunde habe ich also eine zwar völlig geräuschlos, aber dennoch recht verbissen geführte Schlacht am kalten (Totholz-)Büffet fotografiert. Womit dann wohl endgültig der Beweis erbracht wäre, dass die Pilze uns und nahezu allen anderen Tieren in ihrem Verhalten tatsächlich deutlich näher stehen als den Pflanzen.


Pilze fotografieren
Trotz ihrer wirklich beeindruckenden Anzahl hier im herbstlichen Urwald Sababurg ist es leider alles andere als einfach, ansprechende Aufnahmen all der hübschen Pilze zu machen. Vor allem zwei Einschränkungen erschweren mir die Aufgabe spürbar: Da ist zum einen das Wegegebot, an das ich mich hier zu halten habe. Dummerweise sind meine Motive daran in keiner Weise gebunden – und diesen unfairen Vorteil nutzen sie schamlos aus. Gerade viele der attraktivsten unter ihnen lachen mir aus ihren für mich unerreichbaren Refugien dreist ins Gesicht. Mit „Nur gucken, nicht anfassen!“ könnte ich ja noch problemlos leben, aber einige der herrlichsten Exemplare von Weitem zwar anschauen, aber dann nicht fotografieren zu können, das tut der Fotografenseele ganz schön weh.



Die zweite Einschränkung lässt sich im Vergleich dazu leichter überwinden: Zwar ist es hier im Wald und bei dem recht trüben Wetter oft viel zu dunkel für brauchbare Fotos aus der Hand, aber in überraschend weiser Voraussicht habe ich mir für den Fall extra eine meiner LED-Flächenleuchten eingesteckt. Sie hat in etwa die Größe eines Handys und lässt sowohl eine Regelung der Leuchtstärke als auch der Farbtemperatur zu. So kann ich immer dann, wenn das natürliche Licht nicht ausreicht, ein wenig nachhelfen. Theoretisch hätte ich natürlich auch ein Stativ verwenden können, aber damit wäre es oft viel zu umständlich oder gar unmöglich, an die meist recht versteckt sitzenden Pilze heranzukommen.



Ansonsten bleibt zur Fototechnik nicht viel zu sagen. Alle Bilder habe ich entweder mit dem Normalzoom (24-80mm KB-äquiv.) oder dem 120mm-Makro (auch KB-äquiv.) an meiner MFT-Kamera aufgenommen. Die ISO war durchgängig auf 1.600 eingestellt. Zur Nachbearbeitung kam wie immer Lightroom Classic zum Einsatz. Wo es mir notwendig erschien, habe ich mittels DXO Pure Raw das Bildrauschen reduziert.



Fazit
Wie so oft hat sich auch dieses Mal wieder gezeigt, dass Naturfotografie kein reines Schönwetter-Hobby sein muss. Schlamm an den Schuhen und nasse Kleidung sind, wie ich finde, ein recht kleiner Preis für Fotos, wie sie bei Sonnenschein und blauem Himmel gar nicht möglich wären. Diesen Rat möchte ich euch wirklich gerne ans Herz legen. Aber nicht nur euch, oh nein. Vor allem sollte ich ihn zukünftig selbst sehr viel konsequenter befolgen. In dem Punkt bleibt nämlich, wenn ich ehrlich bin, auch bei mir noch jede Menge Luft nach oben.



Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, auch den Blogbeitrag über das „Obergeschoss“ im Urwald Sababurg anzuschauen: