Laubwald im Winter

Kommentare 0
Natur

Der Winter treibt mir immer mal wieder ein paar Schweißperlen auf die Stirn. Paradox? Nicht, wenn man einen Naturfotoblog zu füttern hat und es von Dezember bis Februar an Motiven mangelt. Aber in diesem Jahr habe ich mich entschieden, die Herausforderung anzunehmen. Deshalb war ich für den letzten Blogbeitrag mit meiner Kamera im eisbedeckten Moor. Und auch dieses Mal habe ich mir mit dem Winterwald keine ganz einfache Umgebung für meine Fotos ausgesucht.

Falls ihr jetzt an romantisch verschneite Tannen oder glitzernde Eiszapfen denkt – weit gefehlt. Als ich Mitte Februar zum Fotografieren im Teutoburger Wald war, da fiel keine einzige Schneeflocke. Frisches Grün war um diese Zeit ohnehin noch Mangelware. Es regierten vielmehr die winterlich kahlköpfigen Buchen. Ich hatte so meine Zweifel: Ob ein trister Laubwald ganz ohne Laub wohl überhaupt für Fotos taugt? Und würde ich genügend Motive für einen Blogbeitrag finden?

Buchenwald im Winter – eine fotografische Herausforderung

Beifang

Habe ich mich erst einmal aufgerafft und die warme Stube verlassen, trennen mich nur noch ein paar Hundert Meter Fußweg vom Teutoburger Wald. Ehrensache, dass ich auch dabei schon eifrig nach Motiven Ausschau halte. Ich wäre ja schön dumm, diese Chance auf fotografischen Beifang zu verschmähen. Und tatsächlich, ein wenig Beute konnte ich unterwegs bereits machen. Hier ein paar Beispiele:

Lichtspiel am Bach
von der Natur „künstlerisch“ verzierter Holzstapel
aufgelassener Steinbruch, lokal bekannt als „Canyon“

Waldgeheimnisse

Im Winter streife ich oft ganz alleine durch den Wald; bei schlechtem Wetter kann ich mir sogar beinahe sicher sein, niemandem zu begegnen. Bedanken muss ich mich für diese höchst willkommene Ruhe nicht so sehr bei der winterlichen Kälte; mir spielt da eher der hiesige Kalkboden in die Karten. Schon wenige Regentropfen verwandeln die Wege in matschige Rutschbahnen. Was der Regen nicht alleine schafft, das erledigen dann allerlei bunte Männchen, die ihrer Midlife-Crisis auf sehr teuren Mountain-Bikes davonzustrampeln versuchen. Mit ächzender Verbissenheit zerfurchen sie die ohnehin aufgeweichten Wege mit ihren Stollenreifen. Wie überaus passend, dass ich mir zum Geburtstag Wandergummistiefel (ja, so etwas gibt es tatsächlich) gewünscht habe. Mit ihnen vermag ich all diesen Widrigkeiten ohne Probleme zu trotzen.

vegetarische Würgeschlange
Waldgeist

Die beinahe völlige Abwesenheit anderer Menschen unterstreicht die ohnehin gerade jetzt im Winter etwas geheimnisvolle, beinahe mystische Stimmung im Wald. Ob ich sie mit meiner Kamera wohl einfangen kann? Einen Versuch ist es allemal wert. Jetzt bin ich völlig in meinem Element: Ich drehe hier ein wenig an den Einstellungen, tüftele dort bei der Wahl des richtigen Bildausschnitts; ja, ich versuche mich sogar an der einen oder anderen Doppelbelichtung.

Im verwunschenen Wald tanzen die alten…
…und leuchten die jungen Bäume.

Liebe zum Detail

Wo der kahle Winterwald mit keiner lohnenden Perspektiven aufwarten kann, da hilft es mir oft, meinen Blick auf die kleinen Dinge zu richten. Detailaufnahmen haben mir wohl schon so manche Fototour gerettet. Bei einer Fotoreportage gehören sie ohnehin dazu. Also bitte sehr:

Waldgeister haben große Augen…
…aber trotz reichlich Moos nur kleine Swimming-Pools.
Totholz mit Buchenblättern aus dem Vorjahr

Als Fotograf liebe ich Detailaufnahmen noch aus einem weiteren Grund: Sie sind auch dann gut machbar, wenn die Rahmenbedingungen verrückt spielen. Ist die Sonne am Mittag zu grell, finde ich genügend kleine Motive im Schatten. Regnet es, verstärkt das ihre Wirkung sogar noch. Bringt eine Landschaft mich zum Gähnen, dann werden sich selbst dort genügend spannende Details für jede Menge Aufnahmen finden. Ein Hoch auf die kleinen Dinge!

Uneinig über die korrekte Wuchsrichtung?
Wohlstandsbäuchlein
Recycling-Fachkraft bei der Arbeit

Der Blick nach oben

Überraschend oft lohnt es sich, den Blick auch einmal nach oben zu richten. Gerade die blattlosen Baumkronen zeigen sich dann in ihrer ganzen filigranen Struktur. Was uns eben noch als karg erschienen ist, wirkt jetzt nahezu majestätisch.

Es kann sich durchaus lohnen…
…als Hanns Guck-in-die-Luft…
…in die Baumkronen zu schauen.

Von Alt- und Neubauwäldern

Wer liebt es nicht, durch verträumte Altstädte zu schlendern? Sie haben einfach so viel mehr Charakter als die nach dem zweiten Weltkrieg eilig hochgezogenen praktischen Neubauviertel, von denen man alle zu kennen glaubt, wenn man eines gesehen hat. Ich neige dazu, auch unsere Wälder ähnlich einzuteilen. Hier die ehrwürdigen, weitgehend naturbelassenen „Altbauwälder“ mit weitaus mehr als nur einer Baumart, noch dazu in allen Altersstufen, und dort die uniformen „Neubauwälder“: reine Wirtschaftsforste, im Grunde nichts weiter als Baumplantagen, die wie Soldaten unter dem Kommando von Oberst Mammon in geraden Linien und rechten Winkeln Parade stehen.

Sicher kein Urwald…
…aber zum Glück auch nicht völlig aufgeräumt.

Der Teutoburger Wald vor meiner Haustür ordnet sich irgendwo dazwischen ein: Weit entfernt davon, als verwunschener Märchenwald durchzugehen, aber zum Glück auch kein auf reine Effizienz getrimmter Bauholzlieferant, lässt er noch erahnen, was einen richtigen Wald ausmacht. Es wirkt zumindest so, als gönne man ihm jetzt wieder, in Würde zu altern. Selbst der für die Natur so wichtige Totholzanteil scheint in letzter Zeit zu wachsen.

Manchmal ist mir allein die grafische Wirkung…
…eine Aufnahme wert.

Blickwinkel

Wer mich dabei beobachten könnte, wie ich suchend im Wald umherstreife, der riebe sich gewiss verwundert die Augen. Vermutlich würde er sich fragen, warum ein auf den ersten Blick ganz normal wirkender Spaziergänger wohl immer wieder plötzlich stehen bleibt, gar ein paar Schritte zurückgeht, einen Baum umkreist, mal mit hoch erhobenen Händen, dann wieder in merkwürdig gebückter Haltung. Er könnte ferner beobachten, dass dieser eigenartige Mensch bald darauf weitergeht, nur um erneut zu stoppen und diese bizarre Pantomime noch einmal aufzuführen.

Immer wieder stellt sich die Frage…
…aus welcher Perspektive…
…ein Motiv am besten wirkt.

Dabei hat das alles eine ganz harmlose Erklärung: Ich habe einfach nur im Vorbeigehen ein mögliches Motiv gesehen, bin aber, bis mir das selbst bewusst geworden ist, schon ein paar Schritte weitergelaufen. Also stoppe ich, drehe um, gehe dann ein Stückchen zurück. So weit, so einleuchtend. Auch das Laufen im Kreis und die Pantomime haben ihren Sinn: Ich umrunde das Motiv auf der Suche nach der bestmöglichen Perspektive. Dabei halte ich meine Kamera mal hoch über meinen Kopf, dann wieder sehr nah an den Boden, immer auf der Suche nach dem optimalen Blickwinkel. Der entscheidet ja am Ende darüber, ob das Foto etwas taugt.

Hier habe ich mich für…
…einen ungewöhnlichen Blickwinkel entschieden.

Nebel schafft Atmosphäre

In der Fotografie gibt es für mich kaum etwas Schöneres als Nebelstimmungen. Ein sich sanft über meine Motive legender Nebelschleier verzaubert ganz einfach alles: Landschaften ebenso wie Städte, Berge und Täler, Flussauen, Seen, Blumenwiesen… Seinen größten Charme aber entfaltet er im Wald. Hier bringt der Nebel Ordnung ins Chaos, hier schafft er eine fast schon mystische Atmosphäre. Leider haben mir die Wettergötter dieses Mal nur wenige Minuten im Nebel gewährt. Nicht viele Aufnahmen sind mir in der kurzen Zeit gelungen. Es reichte aber zum Glück gerade noch, um mich mit einigen Nebelbildern für heute verabschieden zu können.

Weg ins Ungewisse
aufgegabelt
Nebel überm Blättermeer

Schreibe einen Kommentar