Mein wichtigster Tipp für bessere Naturfotos

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Tipps & Tricks

Fragt man erfahrene Fotografen nach dem besten Ratschlag, den sie einem Neuling mit auf den Weg geben können, dann wird „Geh näher ran!“ eine der häufiger zu hörenden Antworten sein. Was ist der Grund für diesen Rat? Warum sollen wir näher ran an unser Motiv? Nun, weil uns dies die Möglichkeit gibt, alles aus dem Foto auszublenden, was den Blick des Betrachters vom eigentlichen Motiv ablenken könnte. Ein Beispiel: Wenn wir zeigen wollen, wie wunderschön die Blüten einer bestimmten Blume sind, dann sollten wir eine dieser Blüten bestmöglich in Szene setzen und nicht die ganze Blumenwiese fotografieren.

Wie nah ist nah genug?

Was aber, wenn uns nicht so sehr die einzelne Blüte sondern vielmehr die hübsche Blumenwiese als Ganze verlockt hat, ein Foto zu machen? Sollen wir dann trotzdem näher ran an unser Motiv? Natürlich sollen wir. Aber unser Motiv ist in dem Fall eben nicht die Blüte. Dieses Mal ist es die Wiese.

Bildidee: wunderschöne „mohngetupfte“ Waldlichtung
Bildidee: Mohnwiese
Bildidee: Mohn und andere Wiesenblumen
Bildidee: zarte Mohnblüte

Mit anderen Worten: Nur der Fotograf kann wissen, was ihn so sehr begeistert hat, dass er es im Bild festhalten wollte. Er sollte es dem Betrachter dann aber so einfach wie möglich machen, diese Begeisterung zu teilen. Das wird nur dann gelingen, wenn er genau das, was ihn fasziniert hat, erkennbar zum Hauptmotiv seines Fotos macht. Ganz gleich, ob es die Blüte, die Wiese oder was auch immer war. Alles, was davon ablenkt, sollte weitgehend aus dem Foto verbannt werden.

Dieser Rat steht übrigens nicht im Widerspruch zu einem Foto, das z.B. die schier endlose Weite einer Landschaft darstellt. Zumindest dann nicht, wenn es die Absicht des Fotografen war, einen Eindruck von genau dieser Weite zu vermitteln. Es kommt also immer auf die Bildidee an. „Geh näher ran“ bedeutet ja lediglich: Lass alles weg, was nicht zur Bildidee gehört oder diese zumindest unterstützt! Dulde keine Ablenkung im Bild!

Bildidee: endloser, menschenleerer Strand

Bildidee und Hauptmotiv

Ich sollte also vor dem Betätigen des Auslösers entscheiden, was genau denn nun mein Hauptmotiv ist. Die Bildideen in den nächsten beiden Fotos, „Austernfischer vor Welle flüchtend“ und „Austernfischer nach Futter stöbernd“, werden also zwangsläufig selbst dann zu völlig unterschiedlichen Fotos führen, wenn es sich in beiden Fällen um denselben Vogel handelt. Im ersten Fall benötige ich für Vogel, Meer und Welle einen viel weiter gefassten Bildausschnitt als im zweiten, in dem der Vogel ganz klar mein Hauptmotiv ist und die Umgebung nur gerade so angedeutet zu werden braucht.

Bildidee: Austernfischer vor Welle flüchtend
Bildidee: Austernfischer nach Futter stöbernd

Wenn ich den Impuls verspüre, ein Foto zu machen, dann gibt es ja einen Grund dafür. Ich frage mich dann: Was war es, das mich zur Kamera hat greifen lassen? Manchmal ist es ein winziges Detail, vielleicht ein Lichtstrahl oder ein hübscher Schmetterling. Ein andermal kann es auch eine ganze Landschaft sein mitsamt dem sie überspannenden, rot gefärbten Abendhimmel. Nicht selten ist es gar nichts Greifbares, sondern nur eine besondere Stimmung.

Bildidee: Nebelstimmung

Sobald ich mir darüber im Klaren bin, was mich so sehr fasziniert, dass ich ein Foto davon machen möchte, habe ich meine Bildidee und damit auch mein Hauptmotiv gefunden. Kurz zusammengefasst sieht mein Vorgehen so aus:

  1. Bildidee und als logische Folge davon das Hauptmotiv festlegen
  2. Alles aus dem Bild verbannen, was vom Hauptmotiv ablenken könnte
  3. Nach Möglichkeiten suchen, Hauptmotiv und Bildidee zu unterstützen

Den ersten der drei Schritte habe ich oben beschrieben. Er läuft im Kopf ab, und zum Glück hat jeder Fotograf da sein eigenes mehr oder weniger hübsches Exemplar, vor allem aber seine eigenen Erfahrungen, Ideen, Gefühle, Vorstellungen. Darum sind die Bilder verschiedener Fotografen vom selben Motiv ja auch so unterschiedlich – zumindest solange sie nicht irgendwelche Influencer-Fotos stumpf nachäffen. Die Bildidee muss übrigens überhaupt nichts Großartiges sein. Es geht einfach darum, kurz zu überlegen, worum es in dem Foto gehen und was es ausdrücken soll.

Der dritte Punkt, die bildgestalterische Unterstützung des Hauptmotivs, bietet mehr als genügend Stoff für einen eigenen Blogartikel. Darin wird es dann um verschiedene Möglichkeiten gehen, die eigene Bildidee durch eine sinnvolle Verteilung der Elemente im Foto umzusetzen. Heute soll aber erst einmal Schritt 2 im Mittelpunkt stehen:

Ablenkung vermeiden

Noch einmal, weil es wichtig ist und man es doch immer wieder mal vergisst: Gerade Naturfotos werden fast nie durch das Hinzufügen möglichst vieler Elemente besser, ganz egal, wie schön oder beeindruckend jedes von ihnen auch sein mag. Solche Bilder wirken in der Regel einfach nur geschwätzig, wie es der große Naturfotograf Fritz Pölking einmal ausgedrückt hat. Es macht nämlich einen enormen Unterschied, ob wir z.B. eine schöne Landschaft in echt oder auf einem Foto anschauen. Während wir im ersten Fall unsere Augen schweifen lassen und dabei die vielen Elemente der Landschaft nacheinander wahrnehmen, sehen wir auf dem Foto alles auf einmal. Und plötzlich bleibt von dem tollen Panorama vor Ort nichts weiter übrig, als ein wirres Sammelsurium viel zu vieler Details.

Es hilft also nichts, wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir alles für unsere Bildidee Überflüssige oder von ihr Ablenkende aus unserem Foto heraushalten können.

Negativbeispiel: tolle Location – jedoch kein Hauptmotiv erkennbar

Die klassische Methode des „Geh näher ran“

Die erste Möglichkeit haben wir schon kennengelernt: einfach näher ans Motiv herangehen. Es ist zwar durchaus ein Unterschied, ob wir dies tatsächlich im wörtlichen Sinne mit unseren Füßen erledigen, oder ob wir zu diesem Zweck eine längere Brennweite bemühen. Der soll aber hier keine Rolle spielen. Viel wichtiger ist es, erst einmal ganz bewusst zu entscheiden, was ins Bild gehört und was nicht. Oft reichen bereits ein paar Schritte hin zu unserem Motiv oder ein kleiner Dreh am Zoomring, um sich der meisten ablenkenden Elemente im Bild zu entledigen. Man muss da vor Ort einfach ein wenig herumprobieren.

Negativbeispiel: Landschaft und Licht prima – aber leider jede Menge ablenkende Elemente im Bild
völlig unspektakuläres Motiv – aber dennoch das gelungenere Foto

Wechsel der Perspektive

Oft lohnt es sich auch, einmal um das Motiv herumzugehen oder eine paar Schritt zur Seite zu machen. Der herrliche Fliegenpilz steht leider direkt vor einem mit seinem Wirrwarr aus Zweigen und Blättern ablenkenden Busch? Wie wäre es, ihn von der Seite zu fotografieren? Vermutlich sieht der Pilz von hier ebenso hübsch aus, aber der Busch ist aus dem Foto verschwunden. Die Wiesenblume wäre ein tolles Motiv, aber dummerweise steht sie nun einmal inmitten von Grashalmen und Stängeln anderer Blumen? Vielleicht hilft es, die Kamera so auf den Boden zu legen, dass sie die Blüten gegen den blauen Himmel ablichtet. Schon sind wir die nervigen Störenfriede los.

Nur durch diese ungewohnte Perspektive konnte ich alles Störende aus dem Foto heraushalten.

Nutzung günstiger Licht- und Wettersituationen

Manchmal hat man das Glück, eine Licht- oder Wettersituation vorzufinden, die alles vom Hauptmotiv Ablenkende wie von selbst verschwinden lässt. Vor allem Schnee und Nebel sind hier meine besten Freunde. Dummerweise wohne ich in einer Gegend, in der die Winter meistens sehr schneearm sind. Nebel kommt immerhin etwas öfter vor, ist aber dennoch kein allzu häufiger Gast. Das ist schon ein wenig schade, denn wo sonst hätte man ähnlich gute Möglichkeiten, solche Situationen für besondere Fotos zu nutzen, wie im eigenen Fotorevier vor der Haustür?

2 x Schnee: als Hauptmotiv und als ruhiger Hintergrund

Wenigstens beim Licht kann ich mich nicht beklagen. Gerade im Buchenwald – und davon gibt es hier jede Menge – kommt es gelegentlich zu dem Phänomen, dass durch ein ansonsten dichtes Blätterdach ein einzelnes Bündel von Lichtstrahlen fällt. Mit ein wenig Glück beleuchtet es jetzt ein Detail, das ansonsten zwischen den vielen chaotischen Elementen des Waldes niemals fotogen ins Auge fiele. Ich streife gerne durch den Wald in der Hoffnung auf solche Augenblicke. Auch wenn das auf die Fotografie ja grundsätzlich immer zutrifft: hier erhält ihre Definition als das Einfangen von Augenblicken in meinen Augen mehr denn je ihren buchstäblichen Sinn.

wie im Bühnenscheinwerfer
Nicht das beste Foto, aber trotz vieler Zweige und Äste ist das Hauptmotiv eindeutig erkennbar.

Verwendung eines Stativs

Oft handelt es sich bei den ablenkenden Bildelementen auch nur um Kleinigkeiten. Bei mir ist das z.B. häufig ein Ast, der irgendwo ins Bild ragt. So etwas übersehe ich vor Ort beim Fotografieren leider immer wieder einmal. Gerade die Bildränder bergen da gerne die eine oder andere Überraschung, weil ich beim Fotografieren zu sehr auf mein eigentliches Motiv konzentriert war. So etwas passiert mir allerdings fast nur, wenn ich aus der Hand arbeite. Sobald ich ein Stativ verwende, beginne ich ganz automatisch, mein Bild in aller Ruhe zu gestalten. Dann nehme ich mir auch die Zeit, die Bildränder gründlich abzusuchen und alles, was sich von dort ungefragt ins Bild drängt, zu eliminieren. Mir sind Stative immer etwas lästig, aber ich muss zugeben, dass sie schon sehr hilfreich dabei sind, Bilder ganz bewusst zu gestalten und ärgerliche Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.

Wenig Licht und viele störende Details im Umfeld – das habe ich nur mit Stativ bewältigt.

Weichzeichnen

Besonders einfach und elegant können wir unser Hauptmotiv von allem Störenden ringsum befreien, wenn wir Letzteres diskret in der Unschärfe verschwinden lassen. Wir schlagen auf diese Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits sind wir alles losgeworden, was von unserem Hauptmotiv hätte ablenken können, und zum anderen empfinden wir solche Bilder meistens auch noch als recht ansprechend und harmonisch.

eigentlich sehr unruhiger Hintergrund, durch Unschärfe beruhigt

Technisch ist das nicht allzu schwierig. Ein unruhiger Hintergrund wird umso unschärfer je

  • weiter er vom Hauptmotiv entfernt
  • größer die eingestellte Blende
  • länger die verwendete Brennweite
  • näher die Kamera am Hauptmotiv

ist. Wenn wir mehrere dieser Faktoren kombinieren, dann dürfte es uns fast immer möglich sein, den gewünschten Unschärfe-Effekt zu erzielen. Aber auch hier gilt es abzuwägen: Ein weichgezeichneter Hintergrund sollte kein Selbstzweck sein. Alles hängt von der Bildidee ab. Nur wenn sie durch dieses Weichzeichnen profitiert, ergibt das einen Sinn. Ich schreibe das, weil ich manchmal den Eindruck habe, ein schönes Bokeh (weichgezeichnete Verläufe im Hinter- oder Vordergrund) sei für viele Fotografen in den letzten Jahren nahezu ein Fetisch geworden, gerade so, als sei dies für sich genommen schon ein Qualitätsmerkmal guter Fotografie. Das ist aber in etwa so sinnvoll, wie wenn ein Fußballstürmer es darauf anlegte, alle seine Tore ausschließlich per Fallrückzieher zu erzielen, weil er dafür besonders viel Applaus bekommt.

Auch hier ist der unruhige Hintergrund – zumindest weitgehend – in der Unschärfe verschwunden.

Bewegungsunschärfe

Ein ganz anderer Weg, Teile des Fotos in der Unschärfe verschwinden zu lassen, ist der Einsatz einer längeren Belichtungszeit immer dann, wenn unser Foto sowohl bewegte als auch unbewegte Elemente enthält. Beispiele für die Anwendung dieser Technik in der Naturfotografie sind z.B. einzelne verharrende Tiere in einer sich bewegenden Gruppe, über eine Landschaft dahinziehende Wolken oder Felsen umfließendes Wasser. Eine noch etwas speziellere Form, sich Bewegungsunschärfe zunutze zu machen, sind die sogenannten Mitzieher, also Fotos, bei denen man mit der Kamera bei entsprechend längerer Verschlusszeit z.B. ein laufendes Reh verfolgt. Mit etwas Glück wird das Reh dann hinreichend scharf, die Landschaft hingegen stark verwischt dargestellt.

Der Fels in der Brandung

Hell-Dunkel-Kontrast

Unsere Wahrnehmung ist so ausgerichtet, dass wir in einem Foto die helleren Stellen stärker beachten als die dunklen. Ähnlich ist es mit bestimmten Farben wie z.B. der sprichwörtlichen Signalfarbe Rot. Das mit den Farben nützt uns in der Naturfotografie nur begrenzt, denn wir werden unser Hauptmotiv sicherlich nicht erst rot anstreichen wollen. Hier können wir höchstens die vorhandenen Farben zu unserem Nutzen einsetzen. Eine rote Blume inmitten von grünem Gras oder vor blauem Himmel wird sich eben auch ganz ohne weiteres Zutun unsererseits optisch in den Blickpunkt drängen. Das kann hilfreich sein, falls sie unser Hauptmotiv ist. Sie wird dies aber auch dann tun, wenn wir eigentlich ihre hübsche weiße Kollegin zum Star des Fotos machen wollen. Wir sollten in dem Fall gut achtgeben, sonst wird sie unserem Star die Show stehlen.

Etwas anders sieht es mit der Verteilung von hellen und dunklen Elementen in unseren Fotos aus. Darauf können wir sehr wohl Einfluss nehmen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, wäre die Verwendung künstlicher Lichtquellen wie z.B. Blitze oder Taschenlampen. Aber auch ohne diese Hilfsmittel wird es uns mit ein wenig Mühe und Geduld möglich sein, eine Lichtsituation zu finden, in der unserer Hauptmotiv gut ausgeleuchtet ist und alles von ihm Ablenkende weitgehend im Schatten verschwindet. Im letzten Blogartikel habe ich diese Möglichkeit schon einmal ein wenig ausführlicher beschrieben.

heller Ara vor dunklem Hintergrund, dazu auch noch jede Menge Signalfarben

Obwohl uns helle Elemente im Foto mehr in die Augen fallen als dunkle, funktioniert das Ganze umgekehrt ebenfalls recht gut. Auch ein dunkles Hauptmotiv in einer deutlich helleren Umgebung wird unseren Blick auf sich ziehen. Allerdings lassen sich in den helleren Partien ablenkende Elemente kaum verstecken. Dazu müssten wir unser Foto schon so sehr überbelichten, dass die hellen Stellen quasi zu reinem Weiß „ausbrennen“. Im Gegenlicht kann so etwas hin und wieder ganz ansprechend wirken.

Dunkler Baum vor hellem Himmel – auch das funktioniert.

natürliche Blickpunkte

Neben all den genannten Mitteln, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf unser Hauptmotiv zu lenken, gibt es auch solche Motive, die sich praktisch ganz von alleine in den Blickpunkt drängen. Ähnlich wie bei den Signalfarben können wir bei unserer Bildgestaltung daraus einerseits Nutzen ziehen, müssen aber andererseits manchmal auch aufpassen, dass sie die Blicke nicht von unserem Hauptmotiv ablenken. Vor allem Personen im Bild, aber auch einzelne Tiere in einer Landschaft haben in der Naturfotografie diesen Effekt.

Neuntöter – nur klein im Foto und dennoch sofort im Blickpunkt

Was kann ich in der Nachbearbeitung tun?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: buchstäblich alles. Die Möglichkeiten von Photoshop und ähnlichen Programmen sind letztlich nur durch unsere eigenen Fertigkeiten im Umgang mit ihnen begrenzt. Ich will das hier keinesfalls kritisieren. Im Gegenteil, ich bewundere so manchen Photoshop-Künstler. Einem Maler würde ich ja auch nicht vorwerfen, seine Bilder seien „bloß“ Ergebnisse seiner Fantasie und nicht die getreue Abbildung der Realität.

Abgesehen davon, dass ich kein ausgesprochener Photoshop-Virtuose bin: Mein Hobby ist nun einmal die Naturfotografie. Deshalb sollen meine Fotos auch keine Fantasiewelt sondern die tatsächliche Natur zeigen, so wie ich sie vorgefunden habe. Aus dem Grund beschränke ich mich bei der Bearbeitung auf eine angemessene Unterstützung meiner Bildidee, verzichte aber darauf, tragende Bildelemente zu entfernen oder hinzuzufügen. Wieviel Bearbeitung ich im Einzelfall für angemessen halte oder eben nicht, das entscheide ich von Fall zu Fall. Mein Ziel ist dabei immer ein Foto, das weitestgehend widerspiegelt, was ich vor Ort gesehen und empfunden habe.

Verstärken der Hell-Dunkel-Kontraste

Meiner Ansicht nach funktioniert es immer recht gut, in der Nachbearbeitung das noch ein wenig zu verstärken, was ich beim Fotografieren schon in Angriff genommen habe. Wo mir zum Beispiel vor Ort bereits ein Hell-Dunkel-Kontrast dazu diente, mein Hauptmotiv ein wenig mehr in den Blickpunkt zu rücken, kann ich jetzt vielleicht die helleren Partien im Bild noch ein klein wenig zusätzlich aufhellen und/oder die dunkleren Bereiche noch etwas abdunkeln.

Bei dieser Methode des Aufhellens und Abdunkelns handelt es sich übrigens um keine Erfindung des Digitalzeitalters. Sie wurde bereits früher in den Dunkelkammern nahezu aller Fotografen angewandt und hieß damals nach der Art ihrer praktischen Umsetzung „Abwedeln & Nachbelichten“. Heute ist auch bei uns eher der englischen Name „Dodge & Burn“ gebräuchlich geworden.

Die Umgebung der Lakzistrose habe ich in der Nachbearbeitung noch ein klein wenig abgedunkelt.

behutsames Retuschieren

Und wenn ich tatsächlich beim Fotografieren einmal aus Versehen eine kleine Störung wie z.B. einen unmotiviert ins Bild ragenden Zweig übersehen habe? Oder eine Schokoriegel-Verpackung, die irgendein Dreckspatz weggeworfen hat? Ich bekenne mich schuldig: In solchen Fällen greife ich manchmal zum Bereichsreparaturpinsel, um meine Fotos quasi nachträglich aufzuräumen. Bei der Verpackung habe ich dabei auch überhaupt keine Skrupel; die gehört ja sowieso nicht dorthin.

Etwas anders sieht es mit dem Zweig aus. Ihn nachträglich zu entfernen, bringt mich schon ein Stückchen weg von meinem Ideal einer unverfälschten Naturaufnahme. Aber wäre es nicht andererseits höchst ärgerlich, sich von so einem Flüchtigkeitsfehler das schöne Bild versauen zu lassen? Während Teufelchen und Engelchen auf meiner Schulter noch eifrig darüber streiten, bewegt sich der Cursor plötzlich quer über den Bildschirm – selbstverständlich ganz ohne mein Zutun – hin zum entsprechenden Werkzeugsymbol. Und siehe da, wie von Geisterhand bewerkstelligt, ist der ärgerliche Zweig verschwunden. Hat es ihn je gegeben? Ich kann mich an nichts erinnern.

Das Foto mag ich sehr, aber was hängt denn da unten links auf der Wäscheleine?
Ach, da hängt gar nichts? Nun, dann muss ich mich wohl getäuscht haben.

Zuschneiden

Obwohl ich mir draußen beim Fotografieren eigentlich immer recht gut überlege, was ins Bild soll und was nicht, ist es letztlich doch manchmal so, dass ich das eine oder andere Foto im Nachhinein noch ein wenig beschneide. Ich halte mich in solchen Fällen also im Grunde auch noch während der Nachbearbeitung an den Rat, näher ans Hauptmotiv heranzugehen, indem ich nachträglich einen engeren Bildausschnitt wähle. Warum auch nicht? Ich sehe keinen nennenswerten Unterschied darin, ob ich das gleich vor Ort oder erst später am Rechner erledige. Und obwohl meine Olympus ja nicht gerade ein Pixelmonster ist, habe ich für ein wenig Beschnitt mehr als genug Reserven; für die Veröffentlichung im Netz sowieso, aber es reicht auch locker für meine Ausdrucke im Format DIN A3+. Kein Problem also.

Vor Ort hatte ich einen etwas größeren Ausschnitt gewählt. So gefiel es mir aber dann besser.

Schlusswort

Auch wenn es in diesem Blogartikel an manchen Stellen heißt „man sollte„, „es ist wichtig, dass“ oder gar „wir müssen„, ist das an keiner Stelle so gemeint, als habe ich damit den einzig richtigen Weg entdeckt und beschrieben. Ich gebe hier ausschließlich meine persönliche Meinung, basierend auf meinen ebenso persönlichen Erfahrungen wieder. „Man sollte…“ ist aber nun einmal um einiges flotter in den Rechner getippt als „Meiner sicherlich in Teilen unvollständigen Erfahrung nach und unter dem Vorbehalt, manches auch falsch einzuschätzen, neige ich dazu, folgende Vorgehensweise zu empfehlen…“ Der Blogbeitrag ist ja auch so schon ganz schön lang geworden. Ich hoffe dennoch, euch damit nicht allzu sehr gelangweilt zu haben, gelobe aber für alle Fälle schon einmal Besserung – zumindest für die nächsten ein oder zwei Artikel. Kein Glück währt schließlich ewig.


Das war er nun, mein wichtigster Tipp für bessere Naturfotos. Welcher Ratschlag wäre bei euch die Nummer 1? Lasst es mich doch bitte gerne in den Kommentaren wissen. Ich würde mich freuen, und es hätten ja auch andere Leser des Glaslinsenspiels etwas davon.

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