Portugal – ein Paradies nicht nur für Naturfotografen

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Reisen

Portugal ist ein kleines Land, zugegeben. Aber es birgt eine enorme Vielfalt an Natur- ebenso wie an Kulturschätzen. Selbst wenn man sich auf die absoluten Höhepunkte konzentrierte, wäre das in einem einzigen Urlaub unmöglich zu schaffen. Also haben wir uns entschlossen, den Norden des Landes für eine spätere Reise aufzuheben. In Zeiten der Corona-Pandemie ist daran allerdings erst einmal nicht zu denken, und es bleibt nur die Hoffnung auf die Zukunft. Welch ein Glück, dass wir wenigstens den Süden und die Mitte Portugals noch in einem Jahr ohne jegliche Angst vor Viren besucht haben. Auch die Entscheidung für das Frühjahr als Reisezeit hat sich bewährt. Gerade aus Sicht des Naturfotografen ideal: alles ist grün, überall blüht es, und die Tiere sind eifrig mit der Versorgung ihres Nachwuchses beschäftigt.

Glaslinsenspiel ist ein Naturfotoblog, und so soll es auch bleiben. Man würde Portugal aber in keiner Weise gerecht, ließe man sein reichhaltiges kulturelles Erbe gänzlich unbeachtet. Ich habe mich deshalb entschlossen, in diesem Blogbeitrag einmal wieder recht weit über den Tellerrand der reinen Naturfotografie hinauszugehen. Angeblich hat ja ein wenig Kultur noch niemandem geschadet.

Die Algarve ganz im Süden ist vermutlich neben Lissabon das bekannteste Reiseziel des Landes. Ihre landschaftliche Schönheit ebenso wie ihre Tierwelt rechtfertigen ohne Frage einen eigenen Blogartikel. Ich werde sie mir deshalb für den zweiten Teil aufheben. Heute geht es erst einmal im Südosten Portugals nahe der spanischen Grenze los und dann mehr oder weniger gegen den Uhrzeigersinn durchs Land, ohne aber – wie gesagt – den Norden einschließlich Porto zu erkunden. Am Ende dieser Rundreise werden wir dann wieder im Süden und damit an der Algarve ankommen. Die Naturfotografie wird in diesem ersten Teil nur eine Neben-, im zweiten Teil dann aber wieder die Hauptrolle spielen.

Das Alentejo – wo wenige Menschen auf viel Gegend treffen

Unser Weg führt uns zuerst mehr oder weniger parallel zur spanischen Grenze durch die Einsamkeit des Alentejo. Wir starten ganz im Süden bei Tavira und wollen heute bis Beja fahren. Schon nach wenigen Kilometern bekommen wir einen ersten Eindruck von der landschaftlichen Schönheit dieser recht menschenleeren Region Portugals.

Frühling im Alentejo

Saftige und wunderschön blühende Wiesen unter Stein- und vor allem Korkeichen prägen das Bild. Wie auch im weiteren Verlauf unserer Rundreise immer wieder einmal, befällt uns schon hier das Gefühl, eigentlich viel länger verweilen und im Grunde gar nicht weiterfahren zu wollen. Aber wir haben uns für unseren ersten Besuch Portugals nun einmal fest vorgenommen, gerade auch die Vielfalt dieses Landes zu erkunden.

Landwirtschaft im Alentejo, alles andere als monoton

Dennoch steigen wir immer wieder an besonders schönen Fleckchen aus dem Auto, um die nähere Umgebung ein wenig zu erkunden. Selbstverständlich machen wir auch einen längeren Zwischenstopp in Mértola, einem idyllisch oberhalb des Rio Guadiana gelegenen Städtchen. Über zum Teil ganz schön steile und stets recht schmale Straßen bummeln wir vorbei an den einheitlich weiß gestrichenen und mit roten Ziegeln gedeckten Häusern.

Mértola am Rio Guadiana

Vom trubeligen Évora ins romantische Marvão

Nach einer Übernachtung in der kleinen, aber geschichtsträchtigen Provinzhauptstadt Beja geht es am nächsten Vormittag ins weitaus berühmtere Évora. Die zahlreichen Studenten ebenso wie jede Menge Touristen machen die ehemalige Königsresidenz zu einem erstaunlich lebhaften Ort. Überreste römischer Baukunst, die zum Welterbe gehörende Altstadt mit ihren schmalen Gassen sowie zahlreiche Kirchen, Klöster und Adelspaläste geben Évora ein ganz besonderes Flair und bescheren uns einen sehr abwechslungsreichen Stadtbummel.

Évora
Portugals größte mittelalterliche Kathedrale, gebaut wie eine Festung
Es ist schon erstaunlich, was man alles aus der Borke von Korkeichen herstellen kann.

Kaum haben wir Évora verlassen, umfängt uns wieder die einsame und doch gerade jetzt im Frühjahr sehr freundlich wirkende Landschaft. Wir steuern unser nächstes Ziel an: Marvão, ein wirklich sehr romantisches Bergstädtchen. Es liegt unmittelbar zu Füßen seines in 862 Metern Höhe thronenden Kastells und ist vollständig von einer alten Festungsmauer umgeben. Über enge, verwinkelte Gassen und unzählige Treppen lässt sich der Ort ausschließlich zu Fuß erkunden. Nicht nur geografisch wird Marvão für uns zu einem der Höhepunkte unserer Rundreise durch Portugal.

Wir übernachten in einem kleinen Hotel, in dem wir später auch ein ausgezeichnetes Abendessen genießen werden. Zuvor zeigt der Chef des Hauses uns einen winzigen Stellplatz für unser Auto gleich beim Hotel, so dass wir uns die paar Hundert Meter zu Fuß bis zum großen Parkplatz außerhalb der Stadtmauer ersparen. Da ich fürs Einparken eigentlich einen Schuhlöffel bräuchte, assistiert mir der freundliche Herr unermüdlich und mit ausladenden Gesten, bis das Auto endlich verstaut ist. Nicht zum ersten und schon gar nicht zum letzten Mal fällt uns auf, wie freundlich die allermeisten Portugiesen sind – und das gilt bei weitem nicht nur für jene, die vom Tourismus leben.

Am nächsten Morgen stehen wir ganz gegen unsere Gewohnheiten sehr früh auf. Wenn wir schon in Marvão übernachtet haben, dann wollen wir uns den Ort auch gerne in aller Ruhe anschauen, noch bevor die ersten Busse ankommen und ihre unternehmungslustigen Fahrgäste in das dann vermutlich nicht mehr ganz so stille Bergstädtchen entlassen. Was soll ich sagen? Glück muss man haben: Nicht nur, dass wir um diese Zeit praktisch ganz alleine unterwegs sind, zu unserer großen Freude haben sich Städtchen und Kastell auch noch in einen zarten Nebelschleier gehüllt. Welch ein Morgen! Der malerische Ort, außer uns keine Menschenseele in den Gassen und dazu als i-Tüpfelchen dieser Nebel, der dem Ganzen etwas Geheimnisvolles, ja beinahe Unwirkliches verleiht… Mehr Romantik geht nicht.

Stadttor von Marvão im Nebel
malerische Gasse im – nicht nur für Marvão – typischen Weiß

Aveiro – das portugiesische Venedig?

Nach dem Frühstück, bei dem wir das soeben Erlebte noch einmal begeistert Revue passieren lassen, setzen wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel und gleichzeitig der nördlichste Punkt unserer kleinen Portugal-Rundfahrt ist Aveiro, eine für ihre Kanäle voller liebevoll bemalter Boote berühmte Stadt an der Atlantikküste. Früher dienten die bunten moliceiros dem Fischfang sowie der Salz- und Tanggewinnung. Heute lassen sich begeisterte Touristen damit über die Kanäle schippern. Wir verbringen knappe zwei Tage in dieser ebenso hübschen wie quirligen Stadt, die in Reiseführern gerne als das portugiesische Venedig angepriesen wird. Solche Vergleiche hinken fast immer, zugegeben, aber das Körnchen Wahrheit, dass ihnen ja meistens ebenfalls innewohnt, ist hier durchaus zu finden. Venedig hin oder her, wir sind jedenfalls froh darüber, für Aveiro ein wenig Zeit eingeplant zu haben.

Aveiro mit seinen moliceiros zur abendlichen blauen Stunde
Aveiro – auch ein Ort moderner Architektur

Es sind übrigens nicht nur die typischen Boote, die in Aveiro jedem Besucher sofort ins Auge fallen. Mehr noch als im restlichen Portugal gilt dies nämlich auch für die nahezu allgegenwärtigen azulejos. Es handelt sich dabei um meist in Weiß und Blau gehaltene Keramikfliesen, die sowohl die Außenfassaden unzähliger Häuser als auch oft deren Innenräume verzieren. Kaum etwas dürfte typischer für dieses Land sein, kaum etwas sich einem Besucher mehr einprägen als jene meist recht kunstvoll gestalteten und wirklich allgegenwärtigen azulejos.

typisch portugiesische Hausfassade mit azulejos

Alte Bücher in Coimbra und Weltrekord-Wellen in Nazaré

Auch in Portugal kann einen der Regen überraschen. Uns geht es so in Coimbra, der ältesten Universitätsstadt Portugals. Wir verzichten deshalb auf einen ausgiebigen Stadtbummel, wollen es aber auf keinen Fall versäumen, uns die weltberühmte Bibliothek der Universität anzuschauen. Trotz des Regens – oder vielleicht auch gerade seinetwegen – ist der Andrang enorm. Nach einer recht langen Wartezeit dürfen wir als Teil eines viel zu großen Pulks von Besuchern die prachtvolle Bibliothek durch den Hintereingang betreten, nur um bereits nach wenigen Minuten zum Vordereingang wieder hinausgetrieben zu werden. Eine Gruppe nach der anderen wird auf diese Weise im Viertelstundentakt durchgeschleust. Viel Zeit bleibt da nicht zum Anschauen und Bewundern. Diese Massenabfertigung ist zwar nicht ganz so unser Ding, wir wüssten aber ehrlich gesagt auch nicht, wie man die Besichtigung bei so einem Andrang besser organisieren könnte.

Lohnend ist der Besuch trotz Regens und langer Wartezeit aber auf jeden Fall. Sie ist schon ein unglaublich beeindruckender Tempel der Gelehrsamkeit, diese Bibliothek. Leider ist das Fotografieren nur in einigen Vorräumen gestattet, nicht aber in den prachtvollen Hauptsälen. Auf eine mir selbstredend völlig unerklärliche Weise kommt es jedoch in den verbotenen Bereichen dennoch zu einer Reihe von Auslösungen meiner Kamera, wobei sogar recht ansprechende Aufnahmen entstehen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Da man sein Glück nun einmal nicht überstrapazieren sollte, werde ich hier wohl besser nur Fotos aus den ja durchaus auch schon recht stilvollen Vorräumen zeigen.

Coimbra – Universitätsbibliothek
Index der verbotenen Bücher – wie es sich für eine mittelalterliche Bibliothek gehört

Nach unserem Ausflug in die Welt der Bücher steht nun ein nicht minder, aber für eine ganz anders geartete Sensation bekannter Ort auf dem Programm: Die angeblich höchsten Wellen der Welt haben den kleinen Fischerort Nazaré zu einem El Dorado des Surfsports werden lassen, wo sich in der Saison stets die besten Surfer der Welt ein Stelldichein geben und auf Rekordjagd gehen. Jetzt im Frühjahr ist von denen aber weit und breit nichts zu sehen. Dennoch bin ich mit meiner Fotoausbeute – auch ohne spektakuläre Wellenreiter – einigermaßen zufrieden. Vor allem die noch immer recht bedrohlich wirkenden Regenwolken komen mir für meine Bilder durchaus gelegen.

Strand und Leuchttürme von Nazaré
Spätnachmittag am Strand in Nazaré

Über Óbidos und Azenhas do Mar nach Cascais

So langsam nähern wir uns Lissabon, wo wir die nächsten paar Tage verbringen wollen. Auf unserer letzten Etappe vor dem Erreichen der Hauptstadt lohnt es sich aber, noch ein paar Zwischenstopps einzulegen. Nur wenige Kilometer südlich von Nazaré liegt das bezaubernde Óbidos mit seinem vollständig erhaltenen Renaissance-Stadtkern. Der riesige Parkplatz außerhalb der Stadtmauer lässt darauf schließen, dass sich in der Saison Aberhunderte von Besuchern durch die engen Gässchen schieben werden. Wir aber haben Glück, denn um diese Jahreszeit und zudem an einem so verregneten Vormittag wie heute besteht keine Gefahr, dass der beachtliche Charme dieses altehrwürdigen Ortes in Menschenmassen erstickt. Gegen den Regen sind wir gewappnet, und so schlendern wir in aller Ruhe durch die verwinkelten Gassen mit ihren farbenfroh herausgeputzten Häusern.

Renaissance-Städtchen Óbidos
Óbidos
Óbidos

Nach einer heißen Schokolade in einem netten, kleinen Café fühlen wir uns gestärkt und getrocknet genug, unsere Fahrt fortzusetzen. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne, so dass wir unseren nächsten Spaziergang umso mehr genießen können. Er führt uns durch das wahrlich spektakulär auf einem Felsen direkt am Atlantik gelegene Azenhas do Mar. Erstaunlicherweise sind wir dort fast die einzigen Touristen. Nun, uns soll es nur recht sein. Wir bummeln durch den Ort hinab zum Meer und anschließend wieder hinauf auf den Nachbarfelsen. Erst von dort erschließt sich die exponierte Lage hoch über dem Atlantik dann so richtig.

Azenhas do Mar

Unseren letzten Zwischenstopp, bevor wir dann am Abend Lissabon erreichen werden, legen wir in Cascais ein. Es liegt bereits im Nahverkehrsbereich der Hauptstadt, und dementsprechend lebhaft geht es in dieser pittoresken Hafenstadt auch zu. Wir schauen uns die hübsche Innenstadt an und spazieren dann, um noch einen Blick auf den fotogenen Leuchtturm zu erhaschen, ein Stückchen an der Küste entlang. Danach wird es so allmählich Zeit, uns in den Verkehrstrubel Lissabons einzureihen und im zähen Stop-and-Go unser Hotel für die nächsten paar Tage anzusteuern.

Cascais
Leuchtturm von Cascais

Lissabon

Lissabon ist eine absolut faszinierende Stadt mit einem schier unerschöpflichen Reichtum an fantastischen Fotomotiven. Selbstverständlich habe auch ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und während unserer Tage dort auf Teufel komm raus fotografiert. Aber sogar die ziemlich weit gefassten Grenzen des Naturfotoblogs Glaslinsenspiel würden durch Bilder einer solchen Metropole, auch wenn sie zu den kleineren gehört, wohl endgültig gesprengt. Vermutlich habe ich heute die Geduld jener Leserinnen und Leser, die nur wegen der Naturfotos ins Glaslinsenspiel kommen, ohnehin schon ein wenig strapaziert. Deshalb werde ich an dieser Stelle lieber darauf verzichten, auch noch meine Bilder aus Lissabon hinzuzufügen, zumal sie allesamt selbst beim besten Willen nicht mehr als Naturfotos durchgehen.

Eine einzige Ausnahme möchte ich jedoch machen. Das Foto von dem mit viel Liebe geschmückten Fenster ist, obwohl es ganz unspektakulär daherkommt, in meinen Augen ein recht passendes Symbolbild für dieses Land und seine Menschen: sympathisch, freundlich, bunt und vielfältig. Aus diesem Grund möchte ich es ganz bewusst ans Ende dieses ersten Teils unserer Portugal-Rundreise stellen.

liebevoll begrüntes Fenster in Lissabon

kleiner Ausblick auf den zweiten Teil

Im zweiten Teil geht es dann ohne Zwischenstopp zurück an die Algarve in den Süden des Landes. Dort wird der Schwerpunkt, das kann ich jetzt schon versprechen, wieder auf der Natur-, genauer auf der Tier- und Landschaftsfotografie liegen. Außerdem freue ich mich sehr, einen ganz besonderen (zumindest ist er das für mich) Gastfotografen ankündigen zu dürfen.

2 Kommentare

  1. Natürlich ist das ein Naturfotoblog den ich jetzt schon eine ganze Zeit aufmerksam verfolge.
    Aber trotz Schwerpunkt Natur hätte ich mich über Bilder von Lissabon sehr gefreut.
    Vielleicht kannst Du ja die Lissabon-Bilder in einem eigenen Beitrag noch nachreichen. Alle, die nur Naturbilder wollen, brauchen sich das dann ja nicht anschauen. 😉

    • Hallo Thomas,
      es freut mich, dass Du ein eifriger Leser des Glaslinsenspiels bist und auch immer mal wieder einzelne Blogartikel kommentierst. Ich überlege derzeit tatsächlich, wie ich mit solchen Fotos verfahren soll, die ich jenseits der Naturfotografie mache. Hier im Glaslinsenspiel finde ich sie meist etwas fehl am Platz. Mal sehen, ob ich da eine schlaue Idee habe.

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