Wie ich meine Naturfotos in Lightroom bearbeite

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Tipps & Tricks

Heute möchte ich euch anhand eines typischen Beispiels zeigen, wie ich meine Fotos bearbeite. Nicht, dass ich mir einbilde, in dieser Kunst ein großer Meister zu sein. Aber da ich nun einmal die Flexibilität des Raw-Formats nicht missen möchte, komme ich um eine Nachbearbeitung einfach nicht herum. Das Programm meiner Wahl dafür ist seit vielen Jahren Lightroom aus dem Hause Adobe, früher als Kauf- und heute in der Abo-Version. Obwohl letztere mit Photoshop zusätzlich auch den absoluten Klassiker der Bildbearbeitung beinhaltet, verwende ich fast ausschließlich Lightroom, und da wiederum nur die Classic-Variante. Lediglich für einige wenige Spezialaufgaben greife ich hin und wieder auf Photoshop zurück.

Keine Angst, dies wird kein Lightroom-Tutorial. Davon gibt es ohnehin schon mehr als genug im Netz. Ich möchte euch einfach mal meinen typischen Arbeitsablauf bei der Bildbearbeitung vorstellen. Als Beispiel soll mir dabei das Titelfoto dieses Beitrags dienen, dessen einzelne Entwicklungsstufen von der Raw-Aufnahme bis zum fertigen Bild ich euch Schritt für Schritt begleitend zum Text zeigen möchte.

Es fiel mir übrigens gar nicht so leicht, ein Beispielbild auszuwählen. Am Ende habe ich mich für den Wacholder entschieden. Sicher kein Meisterwerk, aber mir ging es um ein Foto, bei dem möglichst viele der beschriebenen Bearbeitungsschritte auch tatsächlich sinnvoll angewendet werden können. Meistens komme ich nämlich mit weniger aus.

Hier erst einmal, der besseren Übersicht wegen, mein grober Arbeitsablauf bei der Bildbearbeitung:

  1. Bildauswahl
  2. Basisentwicklung
  3. Bildanalyse
  4. globale Bearbeitung
  5. lokale Anpassungen
  6. Feintuning
  7. Bearbeitungsvarianten

Schritt 1 – Die Bildauswahl

Da ich in aller Regel mit recht vielen Aufnahmen von einer Fototour zurückkomme, ist es natürlich unerlässlich, diese Bilder erst einmal zu sichten. Mit anderen Worten: Ich sortiere jene Fotos aus, die ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht bearbeiten werde. Das läuft bei mir immer nach dem gleichen Schema ab. Zu meiner besseren Übersicht dienen mir dabei die Bewertungs-Sterne.

technisch gelungenen Aufnahmen

Aufnahmen, mit deren technischer Qualität ich auf den ersten Blick zufrieden bin, verpasse ich einen Stern, bei den anderen bleibt es bei null Sternen. In dieser ersten Sichtungsrunde mache ich also nichts weiter, als für jedes Bild entweder keinen (bei technischen Schwächen) oder einen Stern (wenn das Foto technisch in Ordnung ist) zu vergeben. Am schnellsten geht das, indem ich entweder die Taste „0“ oder die Taste „1“ auf meiner Tastatur drücke. Lightroom habe ich zuvor so eingestellt, dass es nach erfolgter Bewertung automatisch zum nächsten Bild springt. Auf diese Weise kann ich auch eine relativ große Anzahl Fotos recht zügig durchforsten.

Übrigens: In der Praxis sortiere ich in diesem ersten Sichtungsdurchgang meistens auch schon solche Fotos aus, die zwar technisch einwandfrei sind, von denen ich aber aus anderen Gründen schon jetzt sicher weiß, dass ich sie nicht verwenden werde.

Im Hochformat gefiel mir die Aufnahme weniger gut. Da reichte es nur für 1 Stern.

zu bearbeitende Aufnahmen

Jetzt stelle ich den Filter in Lightroom so ein, dass ich nur noch jene Fotos angezeigt bekomme, die im ersten Sichtungsdurchgang einen Stern erhalten haben. Alle anderen Aufnahmen werden zwar damit nicht gelöscht, aber ich schenke ihnen keine weitere Beachtung.

In einer zweiten Sichtung siebe ich nun jene Fotos aus, die zwar technisch in Ordnung sind, die ich letztlich aber dennoch nicht verwenden möchte. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein: nahezu identische Bilder bei Einsatz der Serienbildfunktion, das Vorhandensein besserer Bilder vom selben Motiv, misslungene Umsetzung der Fotoidee… Dabei gehe ich ähnlich vor wie im ersten Durchgang, nur, dass ich es jetzt entweder bei dem einen Stern belasse oder einen weiteren vergebe (Taste „2“). Im Zweifel schaue ich mir jeweils zwei Bilder in der Vergleichsansicht an und entscheide dann, welches von beiden mir besser gefällt.

Danach stelle ich den Filter so ein, dass ab jetzt nur noch die Fotos mit zwei Sternen angezeigt werden. Anschließend wechsle ich in das Entwickeln-Modul, wo dann die eigentliche Bearbeitung dieser Bilder erfolgt.

Wie ich die Sterne-Bewertung in Lightroom nutze

An dieser Stelle bietet es sich vielleicht an, einmal grundsätzlich zu erläutern, wie ich die Sterne in Lightroom einsetze. Das Grundprinzip lässt sich wohl am besten in Form einer kleinen Aufstellung deutlich machen:

★ = frei von (inakzeptablen) technischen Fehlern
★★ = zur Bearbeitung ausgewählt
★★★ = fertig bearbeitet
★★★★ = geeignet zur Präsentation
★★★★★ = Portfolio-Bild

Dieses Foto war mir einen 2. Stern wert. Hier ist es noch komplett unbearbeitet.

Schritt 2 – Die Basisentwicklung

Im Raw-Format aufgenommene Fotos verursachen beim ersten Anblick nach dem Import in Lightroom gewiss keine Begeisterung. Dafür wirken sie zu flau, kontrastarm und irgendwie farblos. Sieht nicht gut aus, soll aber so sein. Warum? Nun, ein flaues Bild ist tatsächlich das bestmögliche Ausgangsmaterial für die Nachbearbeitung, um die ich dann aber auch nicht herumkomme.

Mit der Basisentwicklung will ich im Grunde nicht mehr erreichen, als mein recht unansehnliches Raw-Foto in einen Zustand zu bringen, der wenigstens schon einmal erkennen lässt, welches Potenzial im Bild stecken mag und in welche Richtung die weitere Entwicklung gehen könnte.

Horizont begradigen

Wenn ich aus der Hand fotografiere, dann passiert es mir gar nicht so selten, dass ich meine Kamera etwas verkante, was dazu führt, dass ein eventuell im Bild sichtbarer Horizont leicht schräg verläuft. Das wirkt außerordentlich störend, denn natürlich erwartet jeder Betrachter, dass der Horizont … Überraschung! … horizontal verläuft.

Belichtung

Ich versuche immer, meine Fotos bereits bei der Aufnahme so zu belichten, wie es mir wünschenswert erscheint. Bei meiner spiegellosen Kamera sehe ich das Bild ja schon vor der Aufnahme, kann also bei Bedarf korrigierend eingreifen.

Trotz aller Sorgfalt passiert es mir aber immer mal wieder, dass ich im Nachhinein das Gefühl habe, mein Bild sei doch zu hell oder zu dunkel geraten. Falls dies der Fall ist, greife ich jetzt zum Regler „Belichtung“ und passe die Helligkeit des Fotos ganz nach meinen Vorstellungen an.

Ich habe zuerst einmal die Belichtung um eine halbe Blende nach unten korrigiert.

Tonwertkorrektur

Eine Tonwertkorrektur ist praktisch immer erforderlich, um aus dem flauen Raw-Bild überhaupt erst etwas Anschaubares zu machen. Mit diesen vier Reglern ist das schnell erledigt:

  • Lichter (helle Stellen im Bild) abdunkeln
  • Tiefen (dunkle Stellen im Bild) aufhellen
  • Weiß erhöhen
  • Schwarz verringern

Wie weit ich die einzelnen Regler verschiebe, hängt vom jeweiligen Foto ab. Hin und wieder lasse ich auch einen Wert unverändert, und in seltenen Fällen kann es sogar auch einmal in die andere als die genannte Richtung gehen. Es gibt da leider kein Patentrezept, das immer funktioniert. Aber wofür habe ich denn meine Augen? Na also! Das war’s dann auch schon. Fertig ist die Basisentwicklung.

So sieht das Foto nach der Basisentwicklung aus.

Schritt 3 – Die Bildanalyse

Wenn ich bis dahin gekommen bin, dann lege ich immer eine kleine Pause ein. Mir hilft es nämlich enorm, wenn ich mich jetzt für einen Moment zurücklehne, das Bild in Ruhe betrachte und dabei im Stillen ein paar einfache Fragen durchgehe. Für das hier als Beispiel ausgewählte Bild habe ich auch gleich einmal meine Antworten hinzugefügt.

  • Was ist die Bildidee?
    Es soll der erstaunlich bizarre Wuchs der Wacholderäste gezeigt werden.
  • Wird die Bildidee deutlich genug?
    Nein, dafür ist das Bild viel zu „unaufgeräumt“.
  • Welches ist das Hauptmotiv?
    Das sind ganz eindeutig die dicken, verwachsenen Äste.
  • Gibt es wichtige Nebenmotive?
    Eher nicht, aber irgendwie lacht mich das Grasbüschel unten links an, mal sehen.
  • Welche Elemente im Bild lenken von den Haupt- und Nebenmotiven ab?
    Generell ist zu viel Ablenkendes im Bild, besonders das unruhige Gras unten, aber auch sonstige Details wie Laubblätter, braune Zweige, helle Stellen im Astdreieck.
  • Wie ließe sich diese Ablenkung reduzieren oder eliminieren?
    Eliminieren nicht, aber eine gewisse Reduktion durch Abdunkeln und/oder Farbanpassungen sollte möglich sein.
  • Könnte ein Beschnitt die Bildidee unterstützen?
    Ein Beschnitt unten und rechts sollte zumindest ausprobiert werden.
  • Könnte partielles Abdunkeln oder Aufhellen die Bildidee unterstützen?
    Die Äste sind ohnehin heller als viele andere Bildelemente. Es dürfte sich lohnen, diesen Unterschied noch zu betonen.
  • Entsprechen die Farben im Foto dem Eindruck vor Ort?
    Nicht ganz. Vor Ort sorgte die Sonne für einen spürbar wärmeren Farbton.
  • Könnten Farbkorrekturen die Bildidee unterstützen?
    Ja, wenn dadurch die Äste noch etwas stärker betont werden.

Als ich mit der Nachbearbeitung von Fotos begann, da hatte ich oft das Gefühl, keinen rechten Weg zu finden durch die Fülle an Möglichkeiten, die Lightroom mir bot. Erst so allmählich wurde mir bewusst, dass es auch in der Bildbearbeitung ohne klares Ziel gar keinen richtigen oder falschen Weg geben kann. Ich hatte zwar vielleicht die Funktion der einzelnen Regler verstanden, wusste sie jedoch nicht zielgerichtet einzusetzen.

Wenn ich aber kurz innehalte und meinen kleinen Fragenkatalog durchgehe, dann weiß ich wenigstens in etwa, wo die Reise hingehen soll. Ob mir das auch immer gelingt, ist natürlich noch einmal eine ganz andere Frage.

Schritt 4 – Die globale Bearbeitung

Zum besseren Verständnis hier vielleicht zuerst eine kurze Begriffsdefinition: Unter einer globalen Bearbeitung versteht man Eingriffe, die das ganze Bild betreffen. Das Gegenstück dazu ist die lokale Bearbeitung. Bei ihr wird nur ein ausgewählter Teil des Bildes von einer Veränderung beeinflusst. Ich komme später darauf zurück.

Jetzt stehen erst einmal ein paar globale Bearbeitungsschritte an. Dabei bin ich immer ausgesprochen vorsichtig, denn mit ihnen schere ich ja alle Bildelemente über einen Kamm, während ich die lokale Bearbeitung mit nahezu chirurgischer Präzision genau dort anwenden kann, wo es mir sinnvoll erscheint. Mit anderen Worten: Im Zweifel ziehe ich stets die lokale Bearbeitung vor.

Bildausschnitt festlegen

Obwohl ich immer schon bei der Aufnahme darauf achtgebe, genau den passenden Bildausschnitt auszuwählen, nehme ich vermutlich an mindestens einem Viertel meiner Bilder nachträglich in der Bildbearbeitung noch kleinere – manchmal auch größere – Korrekturen vor. Keine Ahnung warum, aber sehr oft gefällt mir dieser im Nachhinein noch etwas enger gefasste Ausschnitt dann besser.

Immer wieder kommt es auch vor, dass ich in der Nachbearbeitung noch einmal das Seitenverhältnis ändere. Besonders das quadratische Format hat es mir angetan. Und wenn ich dann damit auch noch ablenkende Bildelemente loswerden kann, umso besser.

Dieser etwas engere Bildausschnitt gefiel mir besser.

Weißabgleich anpassen

Ich stelle in der Naturfotografie nie den automatischen Weißabgleich ein. Der würde aus den Fotos ja jeden natürlichen Farbzauber gnadenlos herausrechnen. Da ich ganz sicher keine neutralen und damit langweiligen Bilder will, arbeite ich immer mit einem festen Weißabgleich von 5.600 Kelvin. Auf diese Weise behalten meine Fotos das Gold der goldenen ebenso wie das Blau der blauen Stunde schon als Raw, und ein rot verfärbter Himmel bleibt eben rot. Ich muss deshalb in der Nachbearbeitung meistens beim Weißabgleich gar nicht mehr viel tun.

Manchmal habe ich aber dennoch das Gefühl, die Farben im Foto träfen nicht genau jene Stimmung, die ich vor Ort wahrgenommen habe. Dann scheue ich nicht davor zurück, im Nachhinein ein wenig mit den beiden Reglern des Weißabgleichs, also dem Farbtemperatur- und dem Tönungsregler, nachzuhelfen.

Hier habe ich den Weißabgleich geringfügig zu den wärmeren Farben hin verschoben.

Kontrast anpassen

Nicht nur über die Farben, sondern in hohem Maße auch über den Kontrast lässt sich die Bildstimmung sehr deutlich beeinflussen. Ich nutze diese Möglichkeit in vielen meiner Bilder. Allerdings verwende ich dafür nicht den Kontrastregler. Eine wesentlich differenziertere Einstellung bietet hier nämlich die Gradationskurve. Ich muss zugeben, dass ich eine Weile gebraucht habe, bis ich mich an dieses etwas kompliziert wirkende Werkzeug herangetraut habe. Rückwirkend betrachtet hat es sich aber außerordentlich gelohnt, mich da ein wenig hineingekniet zu haben.

Ebenso wie bei den Farben habe ich auch beim Kontrast ganz bewusst nur von einer Anpassung gesprochen. Mit dem Begriff will ich ausdrücken, dass ich in beiden Fällen sehr zurückhaltend an die Sache herangehe. In aller Regel will ich weder die Farben verfälschen noch die natürlichen Kontraste bis zu ihrer Unkenntlichkeit anheben oder abschwächen. Meistens geht es lediglich darum, sowohl Farben als auch Kontraste noch ein Tickchen mehr an jene Stimmung anzugleichen, die ich beim Fotografieren vor Ort empfundenen habe.

Nun erfolgte eine leichte Anhebung der Kontraste.

Schritt 5 – Die lokalen Anpassungen

Es lohnt sich wirklich, sich einmal ausführlich mit den neuen Maskierungswerkzeugen in Lightroom zu beschäftigen. Sie haben es nicht nur viel einfacher gemacht, einzelne Bereiche im Bild zur Bearbeitung auszuwählen, man kann dies in vielen Fällen auch mit deutlich höherer Präzision erledigen. Seit ihrer Einführung hat die lokale Bearbeitung in meinem Arbeitsablauf eine noch größere Rolle eingenommen.

Abwedeln & Nachbelichten (Dodge & Burn)

Fotos leben von Licht und Schatten. Schon in analogen Zeiten haben Fotografen im Labor versucht, deren Wirkung auf das Foto nachträglich zu verstärken. Sie haben sich dazu der Techniken des Abwedelns und der Nachbelichtung bedient. Heute hat sich dafür – auch in der digitalen Bildbearbeitung – der englische Ausdruck Dodge and Burn eingebürgert. Es geht dabei um das gezielte Aufhellen und Abdunkeln bestimmter Bildbereiche.

Vor allem in der Landschaftsfotografie nutze ich diese Technik häufig, um die ohnehin helleren Stellen noch etwas heller, die von Haus aus dunkleren noch ein wenig dunkler zu machen. Auf diese Weise lässt sich der Charakter einer Landschaft oft noch eine Idee besser herausarbeiten. Und natürlich ist es auch mitunter recht hilfreich, wenn man ablenkende Bildelemente ganz einfach im Dunkeln verschwinden lassen kann.

So sieht das Ganze nach dem Dodge & Burn aus.

Struktur und/oder Klarheit

Der Strukturregler ist sehr gut dafür geeignet, feine Strukturen etwas deutlicher in Erscheinung treten zu lassen. Bei manchen Pflanzendetails, vor allem aber beim Fell oder Gefieder von Tieren nutze ich ihn sehr gerne. Ich wende ihn dann nur auf jene Stellen an, die ohnehin scharf abgebildet werden, um ihnen noch eine Spur mehr Wumms zu geben.

Ein ganz ähnlicher Effekt lässt sich mit dem Klarheitsregler bei den etwas gröberen Strukturen erzielen. Auch hier geht es wieder – ihr werdet es erahnen – um eine Spur mehr Wumms. Manchmal, z.B. bei weich verlaufenden Hintergründen oder zarten Pflanzenteilen, will ich aber auch genau das Gegenteil erreichen und ziehe den Klarheitsregler ein Stückchen in den Minusbereich.

Jenseits seines eigentlichen Einsatzzwecks, den der Name ja schon beschreibt, nutze ich den Dunst-entfernen-Regler manchmal auch ganz behutsam, um die Wirkung der anderen beiden noch ein klein wenig zu „verbiegen“.

kurze Erklärung:
Wumms ist ein von mir sehr gerne verwendeter fototechnischer Fachbegriff. Er bezeichnet im Grunde alles, was ein Bild ein wenig spannender oder kraftvoller macht. Unverständlicherweise hat dieses überaus nützliche Wort bisher keinen Eingang in den Duden gefunden.

Die interessante Struktur der Äste habe ich gezielt ein wenig verstärkt.

Schärfen

Raw-Fotos bedürfen in der Regel einer mehr oder weniger starken Nachschärfung. Bei mir ist das immer ein 3-stufiger Prozess:

Grundschärfung:
Zuerst einmal unterzieht Lightroom von Haus aus alle importierten Raw-Aufnahmen einer gewissen Grundschärfung, sofern man die nicht ausdrücklich abschaltet, was ich nicht mache.

Selektive Schärfung:
Im Rahmen der lokalen Bearbeitung schärfe ich dann jene Partien – und nur jene – die diesen zusätzlichen Wumms (da ist er schon wieder) meiner Ansicht nach benötigen. Das sind in aller Regel meine Hauptmotive, manchmal auch nur Teile davon wie z.B. die Augen eines Tieres oder jener Teil einer Blume, auf den ich fokussiert habe.

Ausgabeschärfung:
Die dritte und letzte Schärfung erfolgt beim Export des Bildes. Da wähle ich fast immer die von Lightroom vorgeschlagene Standardschärfung für das jeweils verwendete Ausgabemedium (Bildschirm, mattes oder glänzendes Papier). Wenn also ein Bild nicht nur am Bildschirm betrachtet, sondern auch ausgedruckt werden soll, dann gibt es von ihm mindestens zwei Varianten mit unterschiedlicher Ausgabeschärfung.

Auch die Schärfung erfolgte lediglich im Bereich der Äste.

Schritt 6 – Das Feintuning

Meistens belasse ich es bei den oben genannten Bearbeitungsschritten, wobei ich sie natürlich längst nicht immer alle benötige. Das hängt eben ganz vom Ausgangsfoto ab. Manchmal habe ich aber auch das Gefühl, ein wenig Feintuning könnte meinem Bild noch guttun. Mit einer Standardvorgehensweise kann ich da aber beim besten Willen nicht aufwarten. Beim Feintuning hängt wirklich alles von der jeweiligen Aufnahme und vermutlich auch von meiner Lust und Laune ab.

Farben

Lightroom stellt erstaunlich viele Hebelchen bereit, um an den Farben im Bild noch ein wenig herumzudoktern. Meine erste Wahl ist in der Regel das HSL-Panel. Hier habe ich die Möglichkeit, Farbton, Sättigung und Luminanz der einzelnen Farben ziemlich feinfühlig zu bearbeiten. Typische Anwendungsfälle sind bei mir z.B. eine Betonung des blauen Himmels oder die Erhöhung der Leuchtkraft einzelner Blüten. Auf jeden Fall sind mir diese Funktionen eine große Hilfe, wenn ich versuche, die Farbstimmung im Bild der vor Ort empfundenen noch ein bisschen mehr anzunähern.

Im HSL-Panel konnte ich die Leuchtkraft der Farben Grün und Gelb ein wenig reduzieren.

Hin und wieder möchte ich zu diesem Zweck auch die Farbe der Schatten und der Lichter unabhängig voneinander beeinflussen, z.B. die Schatten etwas kühler und die Lichter etwas wärmer gestalten. Genau dafür gibt es die Funktion Color Grading, in der auch diese Aufgabe mit hoher Präzision gelöst werden kann.

Mittels Color Grading habe ich den Lichtern einen etwas wärmeren Farbton verpasst.

Über die Gradationskurve und die Kalibrierung bieten sich weitere Möglichkeiten, Einfluss auf die Farbdarstellung zu nehmen. Ich nutze sie allerdings bisher so gut wie gar nicht, was wohl in erster Linie daran liegt, dass ich mich mit ihnen noch nicht genügend beschäftigt habe. Das könnte vielleicht mal ein kleines Projekt für den nächsten Winter werden.

Wenn alle Farben meinen Vorstellungen entsprechen, dann probiere ich gerne einmal aus, ob ich mit den Reglern für Dynamik und Sättigung den Gesamteindruck noch ein wenig verbessern kann. Dabei läuft es meistens darauf hinaus, dass ich die Sättigung ein klein wenig reduziere und die Dynamik etwas anhebe.

Vignette

Nicht selten erscheint mir ein Bild noch etwas stimmiger, wenn ich die Ränder ganz leicht abdunkle. Meistens greife ich dafür zur Vignetten-Funktion im Effekte-Panel. So geht es am schnellsten. Gezielter lässt sich diese Aufgabe allerdings mit dem flexibler einsetzbaren Radialfilter oder, wenn nicht alle Bildränder gleich stark abgedunkelt werden sollen, mit dem linearen Verlaufsfilter erledigen. Im Gegensatz zur Vignetten-Funktion kann ich auf diese Weise den Blick des Betrachters noch etwas genauer dahin lenken, wo mein Hauptmotiv bereits darauf wartet, in Augenschein genommen zu werden.

Übrigens kann man mit all diesen Werkzeugen die Bildränder nicht nur abdunkeln. In seltenen Fällen wird auch eine leichte Aufhellung recht gut wirken. Ich nutze diese Variante z.B. bei Fotos von zarten Blüten oder Bildern, die im Schnee entstanden sind.

Zum Schluss noch eine leichte Vignette. Das war’s.

Sensorflecken

Finden sich im Foto störende Flecken durch Staubkörnchen auf dem Sensor meiner Kamera, dann entferne ich sie mit dem Bereichsreparaturwerkzeug. Das geht in aller Regel schnell und einfach. Wenn ich das Häkchen im Feld „Bereiche anzeigen“ setze, dann zeigt mir Lightroom auch die nicht ganz so stark ins Auge fallenden Flecken, die vielleicht sonst erst im fertigen Druck deutlich sichtbar würden.

Bildrauschen

Bei Aufnahmen, die ich mit einer höheren ISO-Einstellung gemacht habe (sagen wir zwischen ISO 640 und 1.250), kann das damit verbundene Bildrauschen bei meiner MFT-Kamera schon ein klein wenig störend in Erscheinung treten. In dem Fall greife ich auf die Regler zur Rauschreduzierung im Details-Panel zurück. Meistens belasse ich die Einstellung zum Farbrauschen in der Lightroom-Standardeinstellung und verwende selbst nur den das Luminanzrauschen betreffenden Regler. Ich suche mir dafür stets eine kritische Partie in meinem Bild, schaue sie mir in der 100%-Ansicht an und wähle dann die Einstellung, in der einerseits das Rauschen deutlich reduziert, andererseits die damit verbundene zunehmende „Matschigkeit“ im Foto noch fast nicht zu erkennen ist. Mit anderen Worten: Ich versuche, den besten Kompromiss zu finden.

Nur wenn ich ein Foto mit ISO-Werten von 1.600 oder höher aufnehmen musste, dann kommt das Programm DxO PureRaw zum Einsatz. Es übertrifft beim Entrauschen (und mehr kann es im Grunde auch nicht) die mit Lightroom zu erzielenden Ergebnisse bei weitem. Seit ich es mir angeschafft habe, ist die etwas stärkere Rauschempfindlichkeit meiner MFT-Kamera gegenüber Modellen mit einem größeren Sensor in der Praxis absolut unbedeutend geworden.

Selbstverständlich sind damit die Möglichkeiten noch längst nicht erschöpft, die uns Lightroom zur Bildbearbeitung bietet. Hin und wieder greife ich deshalb auch mal zu einem Regler oder einer Methode, die ich bisher nicht erwähnt habe. Aber solche seltenen Fälle hier auch noch zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Blogbeitrags dann doch sprengen.

Schritt 7 – Bearbeitungsvarianten

Spätestens nach dem Feintuning ist mein Foto fertig bearbeitet. Also bekommt es nun endlich, wie oben bereits erläutert, seinen dritten Stern. Ein vierter oder gar ein fünfter werden nur dann hinzukommen, wenn ich bei einer späteren Durchsicht finde, dieses Bild sei mir besonders gut gelungen (4 Sterne) oder es gehöre sogar zu meinen bisher besten (5 Sterne). Pech also für unser Beispielbild, es wird über seine drei Sterne leider nicht hinauskommen.

Allerdings kann es gut sein, dass ich mich mit dieser einen Bearbeitung noch nicht zufrieden gebe. Manchmal reizt es mich, zusätzliche Varianten auszuprobieren. Vielleicht versuche ich es mal mit einer etwas anderen Grundstimmung. Auch die Umwandlung in Schwarz-Weiß ist selbstverständlich immer eine Überlegung wert.

Eine etwas wärmere und partiell stärker abgedunkelte Variante zum Vergleich.
Auch eine Schwarz-Weiß-Version könnte vielleicht infrage kommen.

Ein Wort zum Schluss

Ich hoffe, es ist mir gelungen, meinen typischen Arbeitsablauf bei der Bildbearbeitung in Lightroom Classic einigermaßen nachvollziehbar darzulegen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich nicht immer an genau diese Reihenfolge halte. Und natürlich benötige ich längst nicht für jedes Foto alle oben aufgeführten Arbeitsschritte. Ganz im Gegenteil versuche ich immer, meine Bearbeitung auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Allerdings dürften die Meinungen darüber, was notwendig, überflüssig oder schon zu weitgehend ist, wohl sehr unterschiedlich ausfallen. Und das ist auch gut so.


Hier habe ich mal zum Vergleich ein paar meiner eigenen Raw-Bearbeitungen den entsprechenden JPEGs direkt aus der Kamera gegenübergestellt:



Falls es euch auch interessiert, wie ich meine Schwarz-Weiß-Bilder bearbeite, dann schaut doch mal in diesen Blogartikel:

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