Berberaffe streckt seine Zunge heraus

Kameraeinstellungen für bessere Naturfotos

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Tipps & Tricks

Leider gibt es die eine ideale Kameraeinstellung, passend für alle Situationen in der Naturfotografie, nun einmal nicht. Dazu sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Szenarien einfach zu groß. Schnelle Tiere erfordern eben ganz andere Einstellungen als Landschaften, und die wiederum unterscheiden sich in ihren Anforderungen deutlich von Makroaufnahmen. Natürlich ist es nicht die technische Perfektion, die ein Foto zu einem guten Foto macht. Schon gar nicht sie alleine. Aber die Kamera ist das Werkzeug, mit dem wir unsere Bildidee realisieren. Das wird uns nur dann nach unseren Vorstellungen gelingen, wenn wir eben dieses Werkzeug bestmöglich einsetzen.

Es lohnt sich also durchaus, den verschiedenen Einstellungen seiner Kamera ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Allerdings kann man schon beim ersten Blick auf das Bedienungshandbuch einer modernen Kamera durchaus entmutigt werden. Bei meiner Kamera sind das 236 wirklich sehr eng beschriebene Seiten. Das bedeutet Einstellungsmöglichkeiten ohne Ende. Wie soll man da ohne eine spezielle Ausbildung vom Umfang eines Kernphysikstudiums bloß jemals durchfinden?

Also die Kamera doch lieber gleich auf Vollautomatik stellen? Nein, in dem Fall wäre es vermutlich die bessere und billigere Lösung, auf eine Kamera zu verzichten und gleich mit dem Handy zu fotografieren. Dagegen ist meiner Meinung nach absolut nichts zu sagen. Handys sind leicht, praktisch, es gibt viele hilfreiche Apps und man hat sein Handy ja ohnehin meistens dabei – dabei sind die Fotos moderner Smartphones zum großen Teil gar nicht so schlecht, unter guten Lichtbedingungen sogar oft durchaus sehr ordentlich. Ich meine es ernst: Wer so gar keine Lust hat, sich ein wenig mit den verschiedenen Einstellmöglichkeiten seiner Kamera zu befassen, ist vermutlich mit einem ordentlichen Handy besser bedient.

Wie sieht es aber aus, wenn man vielleicht doch etwas ambitionierter fotografieren möchte? Die Antwort ist ebenso einfach wie unerfreulich: In dem Fall wird man nicht ganz darum herumkommen, sich ein wenig mit den Einstellmöglichkeiten seiner Kamera zu befassen. Da ich selbst nicht gerade der begeisterte Technik-Nerd bin, mache ich es mir dabei allerdings so einfach wie möglich:

>>> Trommelwirbel <<<

Meine Damen und Herren, ich präsentiere ihnen die patentierte Glaslinsenspiel-Grobeinteilung zur einfachen Kamerabedienung:

  1. Kameraeinstellungen, die ich nie ändere (und das sind die weitaus meisten)
  2. Kameraeinstellungen, die ich nur ein einziges Mal vornehme (bei einer neuen Kamera)
  3. Kameraeinstellungen für mehrere Fotos im Voraus
  4. Kameraeinstellungen, die ich bei jedem Foto vornehme
  5. Wie ich mir alles noch einmal einfacher mache

>>> erneuter Trommelwirbel <<<

1. Kameraeinstellungen, die ich nie ändere

Zum Glück machen sich die zuständigen Ingenieure bei der Entwicklung einer Kamera eine ganze Menge Gedanken. Sie schaffen erst einmal unglaublich viele Einstellmöglichkeiten für nahezu jeden erdenklichen Sonderfall der Fotografie. Dann aber belegen sie diese mit genau den Voreinstellungen, die in der Mehrzahl der Anwendungsfälle am sinnvollsten sind. Die meisten davon eignen sich auch für die Naturfotografie, ohne dass man sie zwingend ans eigene Fotografierverhalten anpassen müsste. Bei mir bleiben dann auch die meisten aller Voreinstellungen ein ganzes Kameraleben unverändert. Ich will aber ehrlicherweise auch nicht völlig ausschließen, dass ich später doch noch einmal eine Kleinigkeit anpasse. Es ist ja nicht verboten, auch in meinem Alter noch etwas dazuzulernen.

Alles an Einstellmöglichkeiten, was ich weiter unten nicht erwähne, fällt aus meiner Sicht in diese Kategorie. Und ja, da sind viele durchaus wichtige Einstellungen dabei. Genannt seien hier als Beispiele die Belichtungsmessmethode, die Auslöseprioritäten oder auch die Empfindlichkeit des Autofokus. Alles durchaus bedeutsam, keine Frage, aber eben alles auch so voreingestellt, dass ich damit gut leben kann. Natürlich könnte ich dennoch damit herumspielen, hier etwas anpassen, dort etwas ändern. Das würde aber nicht zu besseren Bildern führen. Und nur darauf kommt es doch an, oder? Packen wir also ruhig den Deckel des Vergessens drauf und wenden wir uns der nächsten Gruppe zu:

2. Kameraeinstellungen, die ich nur ein einziges Mal vornehme

Fast so lieb wie die Kameraeinstellungen, die ich gar nicht ändern muss, sind mir jene, mit denen ich mich nur ein einziges Mal befassen muss, nämlich beim Kauf einer neuen Kamera.

nervige Pieptöne

Nichts geht mir an einer frisch erworbenen Kamera mehr auf den Wecker als dieses Gepiepse, mit dem sie nahezu jede ihrer Aktionen begleitet. Fürchterlich – und natürlich vor allem in der Tierfotografie alles andere als ideal. Zum Glück kann man in der Regel alle Pieptöne auf einmal abschalten. Ich erledige das immer sofort nach der ersten Inbetriebnahme. Wunderbar, diese Ruhe!

Speicherformat

Aus welchen Gründen sollte ich freiwillig auf den wesentlich größeren Spielraum des RAW-Formats bei der Nachbearbeitung verzichten? Also stelle ich die Kamera so ein, dass sie meine Fotos auf beiden Speicherkarten parallel in RAW aufzeichnet. So habe ich das beste Ausgangsmaterial für die Nachbearbeitung und gleichzeitig eine Datensicherung im Falle des Defekts einer der Karten.

Weißabgleich

Wenn ich meine Kamera den Weißabgleich automatisch vornehmen lasse, dann sieht sie ihre Aufgabe zu Recht darin, Farbstiche zu entfernen. Das klappt erstaunlich gut. Nur zerstört es leider jede Lichtstimmung. Da bleibt dann nicht viel übrig vom Blau der blauen oder dem Gold der goldenen Stunde. Alles wird neutral und damit einfach laaaangweilig. Mein Gegenmittel: Ich stelle den Weißabgleich einfach fest auf die „neutrale“ Farbtemperatur von ca. 5.500 Kelvin (entspricht der Einstellung „sonnig“) ein. So bleibt im Foto genau jene Lichtstimmung erhalten, die ich vor Ort erlebt habe. Ändern kann ich das in der Nachbearbeitung immer noch – muss ich aber dann meistens gar nicht mehr.

Überbelichtungswarnung

Fehlbelichtungen sollten inzwischen der Vergangenheit angehören. Mit einer Spiegelreflexkamera kann ich ein Probefoto machen und dann am Monitor beurteilen, ob die Belichtung passt. Noch einfacher geht’s mit meiner spiegellosen Kamera, bei der ich das Bild schon bei der Aufnahme im Sucher genau so sehe, wie es hinterher aus der Kamera kommt. Darüber hinaus sind die Möglichkeiten, eine falsche Belichtung in der Nachbearbeitung zu beheben, heute enorm.

Lediglich ausgefressene Lichter, also Bildbereiche, in denen nur noch Weiß ohne jegliche Information enthalten ist, sind nicht zu retten. Aber auch dieses letzte verbliebene Problem lässt sich ganz einfach lösen. Dazu muss man nur die Überbelichtungswarnung einschalten. Das sind diese farbigen Blinkies, die genau jene ausgefressenen Stellen im Bild z.B. rot blinkend anzeigen. Habe ich die Warnfunktion eingeschaltet, dann muss ich beim Fotografieren lediglich darauf achten, dass dort, wo ich keine Lichter ausfressen lassen möchte auch nichts blinkt. Ich werde dann also meine Belichtung solange reduzieren, bis nur noch unvermeidbar überbelichtete Bereiche (z.B. Sonne, Lampen) blinken oder eben nur noch solche Bildpartien, in denen mich eine Überbelichtung nicht stört oder ich sie sogar ganz bewusst herbeiführen möchte. Werden dabei Teile des Bildes zu dunkel, dann kann ich die entweder in der Nachbearbeitung aufhellen oder ich mache, allerdings selten und nur im Fall von extremen Hell-Dunkel-Kontrasten, mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen (Belichtungsreihe) und kombiniere die dann in der Nachbearbeitung zu einem Bild (HDR-Technik).

Möglicherweise wird sich jetzt der eine oder andere fragen, wann ich denn auf das Histogramm zu sprechen komme. Tatsächlich ist es so, dass ich es höchstens in Einzelfällen nutze. Die Blinkies sind aus meiner Sicht einfach nützlicher, da sie mir nicht nur anzeigen, dass es zu einer Überbelichtung kommt, sondern auch, wo sich diese im Bild auswirkt.

Monitorhelligkeit          (bei spiegellosen Kameras auch Sucherhelligkeit)

Erst die Einführung der digitalen Kameras brachte die Möglichkeit mit sich, Bilder direkt nach der Aufnahme und bei spiegellosen Kameras sogar schon bei bzw. vor der Aufnahme anzuschauen. Diese unmittelbare Beurteilung der Aufnahme finde ich großartig. Allerdings hat das alles nur Sinn, wenn die Helligkeit meines Monitors korrekt eingestellt ist. Zeigt er meine Bilder zu hell oder zu dunkel an, dann führt mich das zu falschen Entscheidungen und damit zu Fehlbelichtungen.

In der Praxis orientiere ich mich bei der Helligkeitseinstellung des Kameramonitors an meinem kalibrierten Bildschirm zu Hause, den ich für die Bearbeitung meiner Bilder nutze. Ich lasse auf beiden dasselbe Foto anzeigen, und dann passe ich die Helligkeit des Kameramonitors an. Mit ein paar weiteren Fotos überprüfe ich diese Einstellung. Fertig. Diese Prozedur wiederhole ich mit dem Sucher, der ja bei meiner spiegellosen Kamera ebenfalls das Livebild zeigt.

kontinuierlicher Autofokus

Der kontinuierliche Autofokus ist eine enorme Hilfe beim Fotografieren sich schnell bewegender Motive. Wenn es mir z.B. um ein Tier im Lauf oder Flug geht, mache ich vorsichtshalber eine ganze Reihe von Bildern hintereinander. In dem Fall ist der kontinuierliche Autofokus, der versucht, bei jedem Bild erneut scharfzustellen, genau die richtige Wahl. Daneben gibt es noch den Einzelautofokus. Aber warum sollte ich zwischen diesen beiden Arten der Scharfstellung überhaupt wechseln? Wenn ich mit Back-Button-Fokus arbeite, auf den ich im nächsten Punkt zu sprechen kommen werde, hat es aus meiner Sicht zumindest für Naturfotografen keinerlei Nachteile, den kontinuierlichen Autofokus immer eingestellt zu lassen. Eine Sorge weniger.

Back-Button-Fokus

Üblicherweise sind Kameras vom Hersteller ja so eingerichtet, dass man scharfstellt, indem man den Auslöser mit dem Zeigefinger halb herunterdrückt. Drückt man dann weiter, löst die Kamera aus und macht ein Bild. So kennen wir das von jeher. Flexibler ist man aber, wenn man das Auslösen der Kamera und die Fokussierung voneinander trennt. Dies geschieht, indem man den Back-Button-Fokus seiner Kamera aktiviert. Dies bedeutet, dass eine vom Daumen leicht erreichbare Taste an der Kamerarückseite die Scharfstellung übernimmt. Der Auslöser gibt diese Aufgabe ab und ist dann nur noch für das Auslösen zuständig. Bei den meisten Kameras geht das. Leider kenne ich für diese überaus sinnvolle Konfigurierung keinen deutschen Begriff. Fokussierung mit dem Daumen trifft es zwar, hört sich aber ziemlich schräg an.

Die Verteilung der Scharfstellung und des Auslösens auf zwei verschiedene Tasten erlaubt es mir, ohne jegliche Umstellerei zwischen Einzelautofokus und kontinuierlichem Autofokus zu wechseln. Drücke ich beide Tasten gleichzeitig, also den Auslöser mit dem Zeigefinger und den Autofokus mit dem Daumen, dann fotografiere ich mit kontinuierlichem Autofokus. Lasse ich hingegen den Daumen nach dem Scharfstellen los, dann entspricht das dem Einzelautofokus. Praktischer geht’s nicht – und dabei ist das nur einer der Vorteile des Back Button Fokus.

3. Kameraeinstellungen für mehrere Fotos im Voraus

Immer nach dem Prinzip, mir das Fotografieren so einfach wie möglich zu machen, komme ich jetzt zu den Kameraeinstellungen, die ich höchst selten für nur ein einziges Foto vornehme. Ich benötige sie in bestimmten Fotosituationen, dann aber meist für etliche Bilder hintereinander.

Wenn ich vom Stativ fotografiere

Tatsächlich sind beim Fotografieren vom Stativ ein paar Einstellungen vorzunehmen, die von den firmenseitigen Voreinstellungen abweichen:

Bildstabilisator

Beim Fotografieren vom Stativ kann der Versuch des Stabilisators, das dann ja ohnehin völlig ruhige Bild dennoch zu stabilisieren ins Gegenteil umschlagen und zu verwackelten Aufnahmen führen. Klingt komisch, ist aber so. Da es zu dem Thema unterschiedliche Meinungen gibt, habe ich es selbst ausprobiert. Bei langen Brennweiten und längeren Belichtungszeiten ist der Unterschied deutlich, sonst meist nicht oder kaum. Ich schalte die Bildstabilisierung auf dem Stativ sicherheitshalber immer aus.

Selbstauslöser

Befindet sich die Kamera auf einem Stativ, kann das Drücken des Auslöseknopfes zu Schwingungen führen. Um dem entgegenzuwirken, aktiviere ich bei Fotos vom Stativ immer dann einen 2-Sekunden-Selbstauslöser, wenn der Zeitpunkt der Aufnahme unkritisch ist, wie meist bei Landschaftsaufnahmen. So kann ich sicher sein, dass eventuelle Schwingungen bereits abgeklungen sind, wenn die Kamera das Foto belichtet. Kommt es hingegen auf den exakten Moment des Auslösens an, dann setze ich einen (Funk-)Fernauslöser ein – nicht ganz so praktisch, aber in solchen Fällen geht es eben nicht anders.

Übrigens: Als ich noch mit einer Spiegelreflexkamera fotografierte, kam in kritischen Situationen auch noch die Spiegelvorauslösung zum Einsatz, um Verwacklungen durch den Spiegelschlag zu vermeiden. Bei meiner spiegellosen Kamera besteht diese Gefahr natürlich nicht.

Wenn ich schnelle Bildfolgen aufnehmen will

Bei praktisch allen aktuellen Kameras lässt sich einstellen, ob ich beim Druck auf den Auslöser nur ein Foto machen möchte, oder ob die Kamera mehrere Fotos hintereinander belichtet, solange ich den Auslöser gedrückt halte. Meist bleibt meine Kamera in der Voreinstellung „Einzelaufnahme“. Es würde mir ja z.B. bei Landschaftsaufnahmen in aller Regel keinen Vorteil bringen, mehrere Aufnahme unmittelbar hintereinander zu machen.

Reihenaufnahmen

Ganz anders sieht es da allerdings bei Tieren aus. Viele von ihnen bewegen sich (oder zumindest ihre Flügel, ihren Kopf o.ä.) so schnell, dass es auch bei kurz hintereinander gemachten Aufnahmen kaum einmal zwei gleiche geben wird. In so einem Fall erhöhe ich die Chance auf Bilder vom perfekten Moment enorm, wenn ich eine ganze Reihe von Fotos in schneller Reihenfolge mache.

Reihenaufnahmen können auch helfen, wenigstens ein paar scharfe Aufnahmen zu erhalten, wenn es schwierig ist, ein Motiv überhaupt im Sucher zu behalten. Das ist ja z.B. mit fliegenden Vögeln oder rennenden Hasen gar nicht so einfach. Bei Makroaufnahmen wiederum gelingt es nicht so leicht, genau das vorgesehene Motivdetail in die äußerst dünne Schärfenebene zu legen (dazu weiter unten mehr). Auch hier erhöhen Reihenaufnahmen die Erfolgschancen ganz wesentlich.

An meiner Kamera kann ich zusätzlich noch zwischen schnellen und langsamen Reihenaufnahmen wählen. Diese Entscheidung treffe ich je nach der Geschwindigkeit, mit der sich mein Motiv bewegt.

4. Kameraeinstellungen, die ich bei jedem Foto vornehme

Zum Glück bleibt jetzt gar nicht mehr so viel an Einstellungen übrig. Im Wesentlichen muss ich mich bei jedem einzelnen Foto noch darum kümmern, dass Bildhelligkeit und Schärfe meinen Vorstellungen entsprechen, also um die korrekte Belichtung und Fokussierung. Beginnen möchte ich hier mit dem zweiten Punkt, der Scharfstellung oder Fokussierung:

Fokussierung

Generell kann ich die Fokussierung an die Kamera delegieren (Autofokus) oder selbst vornehmen (manueller Fokus). Beides hat in meiner Art der Fotografie seinen Platz.

Autofokus

Die Automatik ist heutzutage so schnell und präzise, dass ich da manuell absolut nicht mithalten kann. Deshalb bevorzuge ich die automatische Scharfstellung, wann immer das sinnvoll möglich ist.

So rasend schnell und höchst präzise der Autofokus auch arbeitet, kann er doch nicht wissen, ob ich es auf die Blume im Vordergrund oder den Berg im Hintergrund abgesehen habe. Ich muss also einen der möglichen Fokuspunkte auswählen, die mir im Sucher meiner Kamera angezeigt werden. Wenn ich den Punkt wähle, der exakt auf der Blüte der Blume liegt, dann weiß meine Kamera, dass sie auf diese Blüte fokussieren soll. So weit, so einfach.

Falls ich aber nun z.B. eine Möwe in ihren hektischen Flugbewegungen fotografieren möchte, dann ist es gar nicht so einfach, den einen angewählten Fokuspunkt im Sucher genau auf die Möwe auszurichten. Für den Zweck gibt es den Gruppenautofokus, was bedeutet, dass mehrere der Fokuspunkte praktisch zu einer kleinen Fokusfläche zusammengeschaltet werden. Im Sucher wird dies dann auch entsprechend angezeigt. Nehmen wir einmal an, die Gruppe bestünde aus fünf Punkten jeweils in der Höhe und in der Breite, dann ergäbe das eine Fläche von 5×5 Punkten. Es wird mir dann vermutlich deutlich leichter fallen, die hektische Möwe in dieser größeren Fokusfläche zu halten als exakt unter einem einzigen Fokuspunkt.

Ich habe mir meine Kamera so eingerichtet, dass ich schnell zwischen einem einzelnen Autofokuspunkt und dem Gruppenautofokus hin- und herschalten kann. Alles andere (z.B. Augenautofokus, Tracking) verwende ich – zumindest bisher – in der Naturfotografie nicht.

manuelle Fokussierung

Während ich in der Tierfotografie den Autofokus praktisch immer einschalte, nutze ich ihn in der Makrofotografie fast nie. Hier hat es sich für mich als sehr viel praktischer und erfolgreicher erwiesen, manuell scharfzustellen.

Wenn ich freihändig arbeite, dann versuche ich bei ganz leichten Vor- und Rückwärtsbewegungen meines Körpers jenen Moment zu erwischen, in dem genau der Motivbereich in der Schärfeebene liegt, den ich scharf abbilden möchte. Um meine Trefferquote deutlich zu erhöhen, wähle ich in der Makrofotografie eine hohe Bildfrequenz. Je mehr Bilder ich pro Sekunde mache, desto größer ist einfach die Chance, dass eines davon exakt in dem Moment entstanden ist, als mein Motiv in der Schärfeebene lag.

Bei Makrofotos vom Stativ verwende ich eine Makroschiene, auf der ich meine Kamera sehr präzise winzige Stückchen nach vorne oder hinten fahren kann. Das funktioniert im Prinzip nicht anders als die eben beschriebenen Pendelbewegungen des Körpers, allerdings wesentlich präziser.

In beiden Fällen schalte ich das Fokus Peaking ein. Dies bedeutet, dass mir im Sucher oder auf dem Monitor jene Bereiche, die gerade in der Schärfeebene liegen, farbig angezeigt werden. Ich empfinde das in der Makrofotografie als extrem hilfreich.

Belichtung

Drei Einstellungen an der Kamera beeinflussen, wie hell das Bild wird: Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert. Dieses Zusammenspiel wird meist als Belichtungsdreieck bezeichnet. Dabei gilt, je offener die Blende, je länger die Belichtungszeit oder je höher mein ISO-Wert, desto heller wird das Bild. Wenn ich also z.B. die Blende weiter schließe, dann muss ich entweder die Belichtungszeit verlängern oder einen höheren ISO-Wert einstellen, um das auszugleichen. Bis dahin ist das einfach. Etwas komplizierter wird das Ganze aber dadurch, dass jeder dieser drei Faktoren neben der Belichtung das fertige Bild noch auf „künstlerische“ Weise beeinflusst:

  • Eine weiter geöffnete Blende verringert die Schärfentiefe, also jenen Bereich im Bild, der uns vor und hinter der eigentlichen Schärfeebene noch hinreichend scharf erscheint.
  • Eine längere Verschlusszeit wird bewegte Motive verwischt aussehen lassen, was meistens nicht, manchmal aber doch erwünscht ist.
  • Je höher der ISO-Wert eingestellt ist, desto mehr Bildrauschen erhalten wir, was sich oft – aber längst nicht immer – nachteilig auswirkt.

Da ich mich beim Fotografieren gerne in erster Linie auf die Bildgestaltung konzentrieren möchte, lasse ich mir von meiner Kamera bei der Belichtung gerne helfen. Und genau an dieser Stelle kommen die Belichtungsautomatiken ins Spiel. Sie unterstützen mich, aber ich behalte dennoch die volle „künstlerische“ Kontrolle über das Bildergebnis.

Das Prinzip ist ganz einfach: Zwei der drei Faktoren des Belichtungsdreiecks bestimme ich je nach meinen Vorstellungen vom fertigen Bild. Die Automatik der Kamera passt den dritten Wert automatisch so an, dass „aus ihrer Sicht“ die Belichtung korrekt ist. Bin ich anderer Meinung, bleibt mir das Belichtungskorrekturrad, um mich gegenüber meiner Kamera durchzusetzen.

Zeitautomatik

Ich wähle Blende und ISO, die Kamera passend dazu die Belichtungszeit.

Meistens kommt es mir vor allem darauf an, den Schärfeverlauf im Bild durch die Wahl der Blende zu beeinflussen. Möchte ich nur einen kleinen Teil des Dargestellten scharf abbilden und den Rest in Unschärfe verlaufen zu lassen, dann wähle ich eine große Blende. Soll hingegen möglichst alles von vorne bis hinten scharf dargestellt werden, dann kommt eine entsprechend kleinere Blende zum Einsatz.

Jetzt muss ich mich noch für einen ISO-Wert entscheiden. In der Regel wird das jener Wert sein, der die beste Bildqualität liefert. Je nach Kamera ist das meistens ISO 100, bei manchen auch 64 oder 200. Ich könnte hier auch einen höheren ISO-Wert wählen, aber das ergäbe ja nur einen Sinn, wenn ich auf diese Weise neben der Blende auch Einfluss auf die Belichtungszeit nehmen wollte. Dann würde ich aber gleich im manuellen Modus (siehe unten) fotografieren.

Die Zeitautomatik nutze ich für die allermeisten meiner Aufnahmen. Die nachfolgend beschriebenen Belichtungsmodi „Blendenautomatik“ und „manuelle Belichtung“ kommen nur in den dort jeweils genannten Ausnahmefällen zum Einsatz.

Blendenautomatik

Ich bestimme Belichtungszeit und ISO, die Kamera wählt die dazu passende Blende

Es gibt zwar einige gute Gründe, die Belichtungszeit selbst zu bestimmen, aber fast nie möchte ich dabei der Kamera die Wahl der Blende und damit der Schärfentiefe überlassen. Deshalb verwende ich die Blendenautomatik an meiner Kamera nur höchst selten. Einziges Beispiel dafür sind die weiter unten beschriebenen „Mitzieher“.

manuelle Belichtung

Ich bestimme Blende und Belichtungszeit. Die Wahl des ISO-Werts überlasse ich ggf. der Kamera.

Natürlich kommt es auch – gar nicht einmal selten – vor, dass ich aus Gründen der Bildgestaltung sowohl die Blende als auch die Belichtungszeit selbst festlegen möchte. Das ist immer dann der Fall, wenn mir sowohl die Blende aus Gründen der Schärfentiefe als auch die Belichtungszeit wegen der damit verbundenen Bewegungsschärfe bzw. -unschärfe wichtig sind. In so einem Fall komme ich um den manuellen Modus nicht herum, weil nur er es mir erlaubt, Blende und Belichtungszeit unabhängig voneinander nach meinen Vorstellungen selbst festzulegen.

Es stellt sich dann eigentlich nur noch die Frage, ob ich während des Fotografierens mit wechselnden Lichtsituationen zu rechnen habe. Wenn das der Fall ist, dann schalte ich meist die ISO-Automatik dazu. Sonnige Tage mit vielen Wolken sind dafür ein gutes Beispiel. Benötige ich die Automatik nicht oder kommt es mir auf identisch belichtete Bilder an (z.B. für Panoramen), dann stelle ich einfach den ISO-Wert ein, der bei gewählter Blende und Belichtungszeit für die gewünschte Belichtung sorgt.

Belichtungskorrektur

In allen automatischen Modi bestimmt erst einmal die Kamera, wie hell oder dunkel das Bild letztlich wird. Sie ergänzt ja den jeweils fehlenden Faktor des Belichtungsdreiecks so, dass es aus ihrer Sicht zu einer korrekten Belichtung kommt. Die Kamera kann allerdings nicht wissen, wie ich mir das fertige Bild vorstelle. Vielleicht will ich es ja bewusst dunkler oder heller gestalten. Manchmal deutet die Kamera eine Szene auch falsch. Bei einem weißen Polarfuchs im Schnee wird sie vermutlich „denken“, es läge eine Überbelichtung vor und das Bild entsprechend dunkler aufnehmen. Das Ergebnis wäre dann ein grauer Fuchs umgeben von ebenso grauem Schnee.

Hier kommt das Belichtungskorrekturrad ins Spiel. Mit einem kurzen Dreh nach links oder rechts kann ich die Kamera zwingen, meine Vorstellung von korrekter Belichtung zu akzeptieren. Bei unserem Polarfuchs würde ich also die Belichtung solange nach oben korrigieren, bis Fuchs und Schnee wieder weiß sind. Mit meiner spiegellosen Kamera sehe ich das endgültige Bild ja bereits im Sucher oder am Bildschirm, bevor ich auslöse. Ich kann die Korrektur also ganz nach meinem Geschmack vornehmen.

5. Wie ich mir alles noch einmal einfacher mache

Mit dem Moduswahlrad meiner Kamera kann ich nicht nur die oben beschriebenen Modi Zeitautomatik, Blendenautomatik und manuelle Belichtung wählen. Es finden sich dort auch noch die drei Einstellungen C1, C2 und C3. Und die kommen jetzt ins Spiel.

Der Custom Mode: Ideal in der Naturfotografie

Das „C“ steht für „Custom Mode“, was nichts anderes bedeutet, als dass ich hier jeweils einen ganzen Satz eigener Voreinstellungen für verschiedene Fotoszenarien hinterlegen kann. Ich benutze die Custom Modes für solche Situationen, die allerlei Einstellerei erfordern, in denen es aber immer sehr schnell gehen muss. Das ist natürlich vor allem in bestimmten Momenten der Tierfotografie der Fall.

Durch die passend vorbelegten Custom Modes kann ich viel schneller auf sich plötzlich ergebende Fotosituationen reagieren und habe zudem den Vorteil, dass ich in der Eile keine wichtige Einstellung vergesse. Ich brauche nur einmal kurz am Moduswahlrad zu drehen, und schon kann ich mich voll und ganz meinem Motiv widmen. Einfach ideal. Eine Kamera ohne Custom Modes käme mir nicht mehr ins Haus.

Ich habe derzeit die drei bei meiner Kamera zur Verfügung stehenden Custom Modes folgendermaßen konfiguriert:

Custom Mode für das Einfrieren schneller Bewegungen (z.B. Vögel im Flug)

Nehmen wir einmal an, ich sitze am Rand einer Feuchtwiese und beobachte einen Fuchs, der gemächlich durch das Grünland schnürt. Eigentlich habe ich mich darauf eingestellt, den Fuchs zu fotografieren. Plötzlich fliegt aber ein Brachvogel auf, der vor dem Fuchs die Flucht ergreift. Natürlich würde ich jetzt gerne Fotos des fliegenden Vogels machen, aber bis ich die Einstellungen meiner Kamera an diese neue Situation angepasst habe, ist der längst über alle Berge.

Wie aber wäre es, wenn ich mit einem einzigen Dreh am Moduswahlrad genau jene Einstellungen aktivieren könnte, die beste Chancen auf gute Flugaufnahmen bieten? Dann könnte die ganze Sache sehr wohl gelingen. Also habe ich einen der drei bei meiner Kamera verfügbaren Custom Modes genau für solche Situationen eingerichtet:

  • manuelle Belichtung
  • Blende 2.8
  • Belichtungszeit 1/1250 s (ergibt meist hinreichend viele scharfe Bilder)
  • ISO-Automatik an
  • Gruppen-Autofokus, wie immer im kontinuierlichen Modus
  • mechanischer Verschluss (um Rolling-Shutter-Effekt zu vermeiden)
  • Bildstabilisierung an
  • Bildfrequenz 10 Bilder pro Sekunde
  • Auslösepriorität

Custom Mode für Mitzieher

Mitzieher sind Aufnahmen von sich bewegenden Motiven, bei denen man während einer längeren Verschlusszeit das Motiv mit der Kamera verfolgt. Wenn dies gut gelingt, dann wird das Motiv einigermaßen scharf abgebildet vor einem durch die Bewegung der Kamera unscharf verwischten Hintergrund. Diese Art der Fotografie ist ein beliebtes Stilmittel z.B. in der Rennsportfotografie.

Ich nutze solche Mitzieheraufnahmen hauptsächlich, um einen Eindruck von der Geschwindigkeit mancher Tiere (z.B. Rehe) zu vermitteln. Ideal ist ein strukturierter Hintergrund wie z.B. ein Wald.

Hier nun meine Voreinstellungen des Custom Modes für Mitzieher:

  • Blendenautomatik
  • Belichtungszeit 1/30 s (das ist meist ein ganz guter Ausgangswert)
  • ISO 200 (bei meiner Kamera der ISO-Wert für die beste Bildqualität)
  • Gruppen-Autofokus, wie immer im kontinuierlichen Modus
  • elektronischer Verschluss (ermöglicht völlig geräuschloses Fotografieren)
  • Bildstabilisierung nur vertikal (da ich die Kamera horizontal ja mitziehe)
  • Bildfrequenz 10 Bilder pro Sekunde
  • Auslösepriorität

Custom Mode zum Einfangen des entscheidenden Moments

Uferschwalben bauen Brutröhren, aus denen sie dann zeitlich nicht vorhersehbar und mit hoher Geschwindigkeit heraussausen. Will ich nun genau den Moment erwischen, in dem so eine Schwalbe die Brutröhre verlässt, dann kann ich mit dem Auslösen nicht warten, bis die Schwalbe am Röhreneingang bereits zu sehen ist. Sie wäre dann wegen meiner Reaktionszeit im Moment der Belichtung bereits wieder aus dem Bild geflogen. Also fotografierte ich früher auf Verdacht im Dauerfeuermodus, was mir manchmal das gewünschte Bild, aber daneben auch unendlich viele Fotos leerer Bruthöhleneingänge einbrachte.

Für genau solche Fälle bietet meine Olympus eine sehr sinnvolle Funktion namens Pro-Capture. Wenn ich sie nutze, dann muss ich nur auf den Höhleneingang scharf stellen und dann den Auslöser halb durchdrücken. Jetzt nimmt die Kamera in der von mir eingestellten Frequenz Bilder auf, die wieder gelöscht werden, wenn ich den Auslöser loslasse. Nur wenn ich ihn ganz durchdrücke, dann werden z.B. die letzten 15 (die Zahl ist einstellbar) dieser Fotos gespeichert und weitere Fotos aufgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Moment zu erwischen, steigt mit Hilfe der Pro-Capture-Funktion rasant.

Meine Voreinstellungen im Custom Mode zum Einfangen des entscheidenden Moments lauten:

  • manuelle Belichtung
  • Blende 2.8
  • Belichtungszeit 1/2000 s
  • ISO-Automatik an
  • einzelner Autofokuspunkt
  • elektronischer Verschluss (ermöglicht völlig geräuschloses Fotografieren)
  • Bildstabilisierung an
  • Bildfrequenz 15 Bilder pro Sekunde
  • Auslösepriorität
  • Pro-Capture an mit Speicherung der letzten 15 Aufnahmen vor dem Auslösen
  • Einzelautofokus (kontinuierlicher Autofokus mit Pro Capture nicht verfügbar)

Es ist fast schade, dass mir nur drei Custom Modes zur Verfügung stehen. Sie sind wirklich außerordentlich hilfreich.

Ein Wort zum Schluss

In diesem Artikel habe ich meine typischen Kameraeinstellungen für die Naturfotografie vorgestellt. Alles ist darauf ausgerichtet, mir die Bedienung der Kamera so einfach wie möglich zu machen, dabei aber die volle Kontrolle über das Bildergebnis zu behalten. Auf keinen Fall soll das jedoch heißen, dies sei die einzig richtige Vorgehensweise. Die gibt es zum Glück auch gar nicht. Sonst würde es ja sehr bald langweilig, sich Bilder anderer Naturfotografen anzuschauen.

Damit dieser Blogbeitrag nicht noch länger wird als er ohnehin schon ist (4425 Wörter, um genau zu sein), habe ich darauf verzichtet, auch noch alle möglichen Sonderfälle wie z.B. Langzeitbelichtungen, HDRs und manches mehr zu behandeln. Ich werde später einmal darauf zurückkommen.

Ich hoffe, der heutige Beitrag mag zumindest für die Naturfotografen unter euch ein wenig interessant oder gar hilfreich gewesen sein. Für alle anderen Leser gibt es demnächst wieder mehr Fotos und weniger Theorie, versprochen. Was mir neben der Beherrschung der Kamera sonst noch wichtig ist auf dem Weg zu besseren Naturfotos, habe ich übrigens in diesem Artikel bereits einmal beschrieben.

Falls ich etwas Wesentliches vergessen haben sollte, ihr andere Kameraeinstellungen bevorzugt oder vielleicht eine Frage habt, dann lasst es mich bitte in den Kommentaren wissen. Oder ist euch vielleicht irgendwo in meinem Beitrag der berühmt-berüchtigte Fehlerteufel über den Weg gelaufen? Auch in dem Fall wäre ich für entsprechende Kommentare dankbar. Nach dem Motto „Besser spät als nie!“ könnte ich das dann zumindest nachträglich noch korrigieren.

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